128
Gruppe III. Chemische Industrie.
begegnen zu können, als auch in der Hoffnung, das Jod aus der Farben-industrie zu verdrängen.
Als in Folge zu massenhafter Anlegung von Fabriken, welche dieAusbeutung der Abraumsalze bezweckten, eine Ueberproduction vonKalisalzen stattfand, sahen auch andere Fabriken sich veranlasst, zurZugutemachung ihrer Mutterlaugen die Fabrikation von Brom aufzu-nehmen, ohne indessen nennenswerthe Besultate in dieser Richtungzu erlangen.
Reiche Bromquellen wurden auch in Amerika entdeckt und werdenmit grossem Erfolge ausgebeutet. Das Product gelangt jedoch nichtals flüssiges Brom nach Europa, da die Schiffe es nicht leicht an Bordnehmen. Vielmehr wird es als Bromkalium ausgeführt. So bedeutenddas in Nordamerika producirte Bromquantum ist,.so entbehrt die Be-fürchtung, dass die Stassfurter Bromindustrie dadurch nennenswerthgedrückt werden möge, doch jeglichen Grundes. Denn während dasBrom in Nordamerika als Hauptproduct gewonnen wird, spielt es inStassfurt nur die Rolle eines Nebenproductes der Kaliumindustrie(E. Seherin g).
Der Verbrauch des Broms und seiner Verbindungen beruht jetztauf der Anwendung, welche davon in der Medicin, der Photographieund der wissenschaftlichen Chemie gemacht wird. Die Hoffnung, seineKohlenwasserstoffverbindungen an Stelle der entsprechenden Jodidein der Theerfarbenindustrie zur ausgedehnten Verwendung gelangenzu sehen, hat sich trotz des zeitweilig so bedeutend gesteigerten Preisesdes Jods nicht erfüllt. Zwar hat A. W. Hofmann ') ein Hinderniss,welches der Verwendbarkeit von Bromäthyl und Brommethyl zu demangedeuteten Zwecke im Wege stand, die grosse Flüchtigkeit dieserVerbindungen nämlich, dadurch hinweggeräumt, dass er vorschlug, dasbei weit höherer Temperatur (120°) siedende Bromamyl gleichzeitig mitMethylalkohol oder Aethylalkohol auf die zu methylirenden oder zu äthyli-renden Farbbasen einwirken zu lassen, wobei Bromäthyl oder Brom-methyl neben Amylalkohol gebildet wird; allein die geringe Reactions-fähigkeit der Bromide gegenüber den Jodiden, der geringere Glanz dermit Hilfe der Bromide gewonnenen Farben, die Schwierigkeit, in Folgeder Flüchtigkeit des Broms dasselbe so vollständig wie das Jod wiederzu gewinnen, haben eine wirksame Concurrenz des Broms mit dem Jodauf diesem Felde bisher vereitelt. Indessen ist die Hoffnung noch nichtaufzugeben, dass bei weiter ausgedehnten Erfahrungen auch das Bromin der Farbenindustrie die von ihm erwartete Wichtigkeit erlangen werde,da auch jetzt noch einige englische und deutsche Fabriken ein Gemengevon Bromäthyl, welches etwa bei der Temperatur des Jodmethylssiedet, und Brommethyl zur Anwendung bringen. Jedenfalls wird dem
J ) A. W. Hofmann, Ber. Chem. Ges. 1869, 441.