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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Chlor, Brom, Jod, Fluor.

wie in England Veranlassung zu geben, dessen Befolgung für denFabrikanten mit namhaften Unbequemlichkeiten verknüpft ist. Nochmehr als es jetzt geschieht, wird man sich im Verlauf einiger Jahrebemühen müssen, die aus dem Leblancschen Processe stammendeSalzsäure möglichst zu condensiren, wenn, wie voraussichtlich ist, dasVerfahren Soda mit Hilfe von kohlensaurem Ammoniak darzustellen,eine weitere Verbreitung findet.

Während man sich früher begnügte, zur Verdichtung der Salzsäuresich einfach der bekannten Bombonnes zu bedienen, in welchen nament-lich die aus der Schale entweichenden Gase absorbirt wurden, hat manin den letzten Jahrzehnden das Princip der Cokethürme allgemein an-genommen, welches gestattet, auch das mehr verdünnte aus dem Cal-cinirraum kommende salzsaure Gas aufzufangen. Noch mehr wird diesdadurch erleichtert, dass man jetzt fast überall statt der früher ge-bräuchlichen Flammöfen, Muffelöfen zum Calciniren anwendet.

Die Bedingungen, welche eingehalten werden müssen, um einemöglichst vollständige Condensation der Salzsäure zu erreichen, sind,indem wir den erschöpfenden Darstellungen von E. K o p p T ), G.Lunge 2 ) und A. Smith 3 ) folgen, hinreichende Abkühlung der Gase,bevor dieselben in die Absorptionsapparate gelangen, eine ausreichendeWassermenge, eine möglichst grosse Berührungsfläche zwischen Wasserund Gas und möglichste Einfachheit des Condensationsapparates.

Die Abkühlung der Gase, zumal der aus dem Calcinirraum stam-menden, welche ziemlich hoch erhitzt sind, wird am bequemsten durchLuftkühlung erreicht. Zwar wendet man in Deutschland und Frank-reich in einigen Fabriken auch Wasserkühlung an, allein die mit der-selben verbundenen Schwierigkeiten lassen sich nur in kleinen Fabrikeneinigermaassen mit Erfolg bewältigen. Für grössere Anlagen empfiehltsich allein die Luftkühlung, welche in der That in England allgemeinverbreitet ist. Die Abkühlung wird zur absoluten Nothwendigkeit da,wo bei Anwendung von Flammöfen zum Calciniren die Gase direct inden Cokethurm gelangen sollen, da sie in diesem Falle eine so bedeu-tende Hitze besitzen, dass der Coke in Brand gerathen könnte, einFall, der sich in der That ereignet hat.

Als Vorrichtungen zum Abkühlen der Gase wendet man in denenglischen Fabriken vorzüglich Röhrenleitungen an, welche entwedergerade fortlaufend mit geringer Neigung oder wenn man auf Raum-ersparniss angewiesen ist, U-förmig auf- und absteigend angelegt werden.Die Leitungen werden meist aus Thonröhren construirt, welche 0'4bis 0'6 m lichte Weite besitzen und durch Muffen in einander greifen.Die Fugen dichtet man durch Einstemmen von Kitt aus Chamotte-

J ) E. Kopp, Monit. scientif. 1866, 611. 2 ) G. Lunge, Dingl. pol. J.

CLXXXVIII, 322. s ) Yergl. den weiter unten folgenden Aufsatz: Ueber dieCondensation der sauren Dämpfe chemischer Fabriken von Dr. Angus Smith,