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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Zersetzungen eingehen. Jod und Brom können hier nur in seltenenFällen durch andere billigere Agentien ersetzt werden.

Für die Verwendung von Brom und Jod fällt noch die den Chemikerweniger berührende Eigenschaft derselben ins Gewicht, gleich vielender selteneren Elemente, störend auf den gesunden thierischen Orga-nismus zu wirken. Der Arzt bedient sich ihrer daher, zumeist in Formihrer Verbindungen mit den Alkalimetallen, als werthvoller Arzneimittel.

Das Fluor nimmt, wie in der wissenschaftlichen Chemie, so auch inder technischen, eine von derjenigen der übrigen Halogene etwas geson-derte Stellung ein. Mit so bedeutenden chemischen Anziehungen begabt,dass es im freien Zustande kaum bekannt ist, kann diese gewaltige Energiein ihrer Allgemeinheit nicht zur Verwerthung gelangen. Man bedientsich vielmehr einzig seiner Vorliebe für das Silicium, indem man denFluorwasserstoff als Zersetzungsmittel für Silicate (Aetzen von Glasu. s. w.) benutzt.

Chlor und seine Verbindungen.

Salzsäure. Als Ausgangspunkt für die gesammte Productiondes freien Chlors und dessen Verbindungen dient noch immer die Salz-säure, welche in grösster Menge als Nebenproduct der Sodafabrikationnach dem Leblancsehen Verfahren auftritt. Die Quantitäten vonChlorwasserstoff, welche in diesem Process in Freiheit gesetzt werden,sind so enorm, dass, würden sie vollständig in die transportableSalzsäureflüssigkeit übergeführt, die Production den Bedarf, trotz derSteigerung desselben in der Neuzeit, weit überwiegen würde. Manhatte sich daher, zumal in England, wenig Mühe gegeben, das saureGas vollkommen zu condensiren, so dass ungeheure Mengen davon indie Atmosphäre entwichen, um nachher, gelöst in dem Wasser, welchessie in der Luft vorfanden, in der Umgebung der Fabriken niederzu-fallen und mancherlei Verheerungen anzurichten, welche wohlberech-tigte Klagen der Besitzer benachbarter Grundstücke hervorriefen.Dadurch machte sich für England ein Gesetz nothwendig, bekanntunter dem Namen der Alkaliacte, welchem zufolge nicht mehr als5 p. C. der produeirten Salzsäure in die Luft entweichen dürfen. InFolge dessen sahen sich die Sodafabrikanten gezwungen, der Gondensationihrer Salzsäure eine vermehrte Aufmerksamkeit zu widmen. Doch nichtallein in England hat man die zur Salzsäurecondensation dienendenApparate vervollkommnet, sondern auch in Deutschland und Frankreichwar man mit Eifer auf Verbesserungen bedacht. Veranlassung dazugab einerseits der allgemach steigende Consum der Säure, wodurch die-selbe einen höheren Werth erhielt, andererseits suchte man den Klagender Umwohner zuvorzukommen, um nicht zu einem ähnlichen Gesetze