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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Künstliche Erzeugung von Kälte und Eis.

milchig weiss. Aus diesem gegenüber dem glasartig durchsichtigenNatureis so verschiedenen Aussehen hat man die sonderbarsten Schlüssegezogen über dessen Verhalten; bald sollte es grössere, bald geringereDauer besitzen, bald mehr, bald weniger kühlen wie das Natureis.Die "Wahrheit ist, dass sich das Kunsteis von dem Natureis in keinerHinsicht unterscheidet, als durch sein Aussehen. Kommt dasselbefrisch aus der Maschine, so ist es allerdings kälter wie ein Stück Eisaus dem Eiskeller, und schmilzt aus diesem Grunde etwas langsamer ander Luft. Gleich grosse Stücke Natureis und Maschineneis von gleichniedriger Temperatur schmelzen aber unter ähnlichen äusserenBedingungen gleich langsam oder rasch, und bewirken gleiche Ab-kühlung.

Noch einige seltsame Vorschläge der Temperaturerniedrigungmüssen schliesslich erwähnt werden. J. B. Toselli in Paris lässtein spiralförmig gewundenes Rohr in einem Gefäss mit Wasserrotiren, aus dem es zugleich jedesmal eine gewisse Menge schöpftund in ein daneben befindliches Gefäss überträgt, von wo esin einem Schlangenrohr in das erste Gefäss wieder zurückläuft. Beider Drehung benetzt sich die Spirale an der ganzen Oberfläche;ein Ventilator bläst Luft auf dieselbe, verdunstet das anhängendeWasser und erniedrigt dadurch die Temperatur des Rohrs und desdarin befindlichen Wassers. Je nach der Witterung soll eine Abküh-lung von 2'7° bis 18'3° C. erfolgen. In dem zweiten Gefäss, welchesvon dem kalten Wasser in einem Schlangenrohr durchlaufen wird, be-findet sich die zu kühlende Flüssigkeit, z. B. Bierwürze, künstlichesMineralwasser 1 ). Der Erfolg hierbei kann nur ein geringer sein, da erganz von der Temperatur und dem nie fehlenden Feuchtigkeitsgehaltdör Luft abhängt. Die Nasskälte eines am Versuchsorte aufgestelltenPsychrometers bestimmt denselben mit ziemlicher Genauigkeit imVoraus.

Ballo 2 ) in Pest will Kälte dadurch erzeugen, dass er Luft mit-telst Babos Mostpeitsche (d. h. sehr fein vertheilt) durch Schwefel-kohlenstoff treibt. Nur bietet ihm vorerst die Condensation resp.Wiedergewinnung der Substanz Schwierigkeit. Daran muss nun -inWirklichkeit das ganze Project auch scheitern. Eine Wiedergewinnungdes Schwefelkohlenstoffs auf anderem Wege, als durch Verdichtung undAbkühlung der damit gesättigten Luft, in Ermangelung geeigneterLösungsmittel, ist unmöglich, und würde dies besondere Schwierig-keiten machen und grosse Arbeitskraft erfordern; man gelangte dannauf das Princip der Luftmaschine. Das Problem in dieser Richtungist praktisch ganz unlösbar.

J ) Toselli, Mech. Mag. 1872, 433; Dingl. pol. J. CCV, 28. 2 ) Ballo,

Dingl. pol. J. CCXI, 345.