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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

wenn auf 2 Atmosphären, 6 Kg Eis als theoretische Leistung erhalten wird.Ueberhaupt steht die Leistung im umgekehrten Verhältniss der Verdich-tung der Luft resp. der durch dieselbe bewirkten Temperaturdifferenz.Andererseits müssen aber auch die Dimensionen der Cylinder resp. dieräumlichen Verhältnisse der Maschine für eine bestimmte Leistung umso grösser werden, je geringer die Verdichtung ist, welche angewendetwerden soll; wie sich übrigens sofort bei genauer Betrachtung der Vorgängeergiebt. Die effective Leistung in der ausgeführten Maschine dürftevielleicht nur der Hälfte der theoretischen gleich zu setzen sein J ). Es er-giebt sich daraus, dass die Luftmaschine der Ammoniakmaschine in ihrerWirkung weit nachsteht. Die Gründe sind die ähnlichen, wie sie bereitsbei dem Vergleich der letzteren mit der Aethermaschine hervorgehobenwurden. Uebrigens lässt sich der Nutzeffect der Luftmaschine erheblichsteigern, wenn man, worauf wir später nochmals zurückkommen werden,dieLuft während der Comprimirung sofort abkühlt, so dass sie sich nichterhitzen kann; in diesem Fall wird der Aufwand für das Zusammen-pressen sehr vermindert. Als Vorzug der Luftmaschine vor den an-deren Systemen ist geltend zu machen, dass keine riechenden oderbrennbaren Substanzen zur Verwendung kommen und dass keine öko-nomischen Verluste an theurem Material eintreten können.

In der Literatur wird einer Luftmaschine zum ersten Male imJahre 1863 Erwähnung gethan 2 ). Dieselbe wurde im April 1862 inEngland an A. C.Kirk, Bathgate, patentirt. Sie besteht aus zwei stehendenCylindern, von denen jeder untere Theil des einen mit dem oberenTheil des anderen durch einen Canal und ein sich darin nach obenöffnendes Ventil verbunden ist. Die Kolben haben Ventile, die sichnach unten öffnen. Die unteren Cylinderdeckel werden durch zuströ-mendes Wasser kühl gehalten, die oberen geben an Salzwasser Kälteab. Nach der etwas unklaren Beschreibung erfolgt die Wirkung inder Weise, dass der Kolben des Gylinders a beim Niedergang Luftunter sich comprimirt und über sich expandirt; die comprimirte Luftwird in den oberen Theil des Cylinders h gedrückt. Beim Aufgang

b Bei der geringen Volumwärme der Luft müssen verhältnissn^fissiggrosse Mengen derselben verwendet werden, weshalb die Cylinder und dieReibungswiderstände sehr gross ausfallen. 2 ) Pract. Mecli. J. 1863, 113;in Ding], pol. J. CLXX, 241; Wagn. Jahresber. 1863 , 568. Uebrigenswurde in England bereits 1852 ein Patent an Nesmond von Bellac (Frank-reich) auf eine Luft-Eismaschine ertheilt. Dieselbe comprimirte Luft mittelsteiner Handluftpumpe in einem in kaltem Kühlwasser stehenden kesselai-tigenGefäss auf 20 Atmosphären. Nach der Abkühlung strömte die Luft von hierin ein zweites Gefäss, worin sich die zu kühlenden Substanzen oder das zugefrierende Wasser befand und von da in die Luft. Ein Mann sollte in8 Minuten die Luft in das Compressionsgefäss drücken und per Stunde6 bis 10 Pfund Eis gewinnen können. Der Apparat wirkt hiernach nurperiodisch und auch unökonomisch, wie die ganze Anordnung für bequeme.Bedienung viel zu wünschen übrig liess.