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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Künstliche Erzeugung von Kälte und Eis.

thümlich ist noch hervorzuheben, dass das im Kessel verdampfte Ammo-niak zuerst in einen Cylinder mit Kolben tretend die Triebkraft zur Bewe-gung der Pumpen liefern soll, worauf nunmehr die Absorption stattfindet.

Luftpumpen - Schwefelsäuremaschine von Edm. Carrein Moislains. Wir haben noch einer eigenthümlichen von demBruder des früher genannten F. Carre erfundenen, gleichfalls in dieKategorie der Absorptionsapparate gehörenden Eismaschine Erwähnungzu thun, die bis jetzt nur gewissermaassen als Modell für den Hand- oderHausgebrauch ausgeführt worden ist und zuerst auf der Pariser Aus-stellung 1867 bekannt wurde; in Wien producirte sich dieselbe gleichfalls.Im Princip beruht dieselbe auf der Abkühlung und dem Gefrieren desWassers durch eigene Verdunstung im luftleeren Raum, dem bekanntenLeslieschen Versuch. Edm. Carre hat seinen Apparat in der folgendenWeise angeordnet. Ein cylindrisches aus Blei mit einem Zusatz von5 p.C. Antimon bestehendes Gefäss ist zur Hälfte mit concentrirterSchwefelsäure gefüllt, die durch einen Rührer von aussen in Bewegunggehalten werden kann. Mit dem oberen leeren Raum des Gefässes isteinerseits eine Luftpumpe verbunden, andererseits eine aufsteigendeRöhre, welche einen Hahn enthält und ein wenig umgebogen ist, sodass sich in das Ende eine mit Wasser gefüllte Flasche stecken lässt,als Dichtung dient ein Gummiring. Alle Verschlüsse sind sorgfältighergestellt, um der äusseren Luft jeden Zutritt zu versperren. Kommtdie Luftpumpe in Thätigkeit, so zieht sie die gesammte Luft aus demverbundenen Apparat; das Wasser verdunstet und wird von der Schwefel-säure absorbirt. Nach einiger Zeit bildet sich eine Eiskruste, die immermehr anwächst, bis zuletzt der Inhalt der zur Hälfte gefüllten Flascheganz gefroren ist. In 45 Minuten vermochte der Verfasser 340 g Eiszu bilden, wobei 60 g Wasser verdunsteten. Die Zeit für eine Operationnimmt zu, wenn die Schwefelsäure heiss und verdünnter wird. Mittelstl'V 1 concentrirter Schwefelsäure kann man 12 Flaschen Eis zu 340 ghersteilen, die Zeit bei der letzten Flasche dauert zwei Stunden undwerden 75 g Wasser absorbirt. Die Schwefelsäirre hat dann im GanzenVs ihres Gewichtes Wasser aufgenommen und besitzt 16 Vol.-Gew.Die Kosten für eine Flasche Eis betragen etwa 10 Pfennige, wenn manvon weiterer Verwendung der Schwefelsäure absieht. Der Apparathat in dieser Form ausschliesslich den Zweck, die sogenannte Garafefrappee herzustellen, d. h. das Trinkwasser durch Eis zu kühlen. Für denHausgebrauch hält der Verfasser die Maschine nicht empfehlenswerth, dadie geringste Menge eintretender Luft dieselbe ausser Thätigkeit setzt undein genügender Verschluss sich nur schwierig auffinden lässt; auch ist dieconcentrirte Schwefelsäure im Hause misslich zu verwenden V- Neuerdings

V Bad. Gewerbz. 1868, 153; vergl. auch Compt. rend. LXIV, 897; undDingl. pol. J. CV, 77 und 417.