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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Künstliche Erzeugung von Kälte und Eis. 87

allerdings verloren. Gelegentlich wird man übrigens von diesem MittelGebrauch machen können.

Noch andere Substanzen von niedrigem Siedpunkt lassen sich gleichden genannten Aetherarten als Mittel zur Temperaturerniedrigung be-nutzen, ohne dass von der theoretischen Nutzleistung ein anderes Er-gebnis zu erwarten wäre. So verwendet vän der Weyde in New-York das Chymogen, einen zwischen 0° und 16° C. verdampfendenBestandtheil des natürlichen Petroleums, von dem das Liter in denVereinigten Staaten nicht mehr als 14 bis 24 Pfennige kostet*).Lienard & Hugon in Paris sollen Schwefelkohlenstoff anwenden 2 ).Ueber einen originellen Vorschlag (von Mort und Nicolle), der alseine Combination des soeben besprochenen mit dem folgenden Systemanzusehen ist, werden wir später zu berichten haben.

Verwendung der Kohlensäure. Die Kohlensäure ist wieder-holt als Mittel zur Kälteerzeugung vorgeschlagen worden; so wurdeim Jahre 1867 ein englisches Patent auf dieselbe mit vorläufigem Schutzgenommen, aber nicht weiter verfolgt. A priori kann man die Kohlensäurenicht für ein sehr geeignetes Mittel zur Kälteerzeugung halten. Sie hatallerdings vor allen anderen bis jetzt angewendeten Stoffen (mit Aus-nahme der Luft) den Vorzug der Billigkeit und, den Aetherarten gegen-über, der Unverbrennlichkeit und dadurch Ungefährlichkeit. Der Druckder flüssigen Substanz ist jedoch ein enormer und darum müssen dieGefässe sehr stark hergestellt werden und werden die DichtungenSchwierigkeiten verursachen. Temperatur und Druck der flüssigenKohlensäure stehen nämlich im folgenden Verhältniss:

Temperatur: 60 30 15 5 0 -f- 10 -(-15 -f- 30°C.

Druck: 4'5 16 25 33 38 46 51 73Atm.

Da die Temperatur, bei welcher die Kohlensäure in dem Kühlerverdichtet wird, nicht niedriger als -j- 10° C. sein kann, so steht siealso dann unter einem Druck von 46 Atmosphären, und die Verdichtungwürde etwa bei 30° C. unter einem Druck von 16 Atmosphären er-folgen.

Die Wiener Weltausstellung führte einen eigenthiimlichen Versuchvor, die Kohlensäure zugleich als Kraft und als Kälte erzeugendesMittel zu verwenden. Die betreffende Maschine s ) war von L. Seybothin Wien ausgestellt und folgendermaassen angeordnet. Die Kohlen-säure wurde airs Spatheisenstein mit Schwefelsäure hergestellt. Sieentwickelte sich in einem geschlossenen Baume unter einem Druck von4 bis 6 Atmosphären. Auf Brunnenwasserwärme abgekühlt strömtesie dann in eine Expansionskolbenmaschine, um hier gleich dem Dampf

1 ) Deutsche Industriez. 1869, 338. 2 ) Privatmittheilung. 3 ) Vergl.Bd. II, p. 57.