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Künstliche Erzeugung von Külte und Eis.
Wir erwähnen noch zum Schluss, dass im Jahre 1869 Rüdorff 1 )eine Untersuchung über-die durch Auflösen von einfachen Salzen zuerzielende Temperaturerniedrigung angestellt hat; die beigefügte Tabelleenthält 20 Salze, von denen wir zwei bis dahin noch nicht untersuchtehervorheben, da sie von einzelnen Salzen die tiefste Temperaturernie-drigung bewirken: Schwefelcyanammonium und Schwefelcyankalium.105 Theile des ersteren in 100 Theilen Wasser gelöst, bewirken eineTemperaturerniedrigung von 31’2°, 130 Theile des letzteren in 100Theilen Wasser sogar von 34'5°.
II. Kälte durch freiwillige Verdampfung(Verdunstung).
Flüssigkeiten, welche die Fähigkeit besitzen Dämpfe zu bilden,bedürfen bekanntlich zu ihrem Uebergange in den Dampf- oder Gas-zustand bedeutender Wärmemengen (Verflüchtigungswärme),welche nothwendig sind, sie in Gasform zu erhalten. Die Verflüch-tigungswärme wird von dem Thermometer nicht angezeigt und führtaus diesem Grunde häufig denNamen der gebundenen Wärme, zurUnterscheidung von der auf das Thermometer einwirkenden, die Tem-peratur bedingenden, oder sogenannten freien Wärme. Die gebundeneWärme verschiedener Flüssigkeiten ist übrigens sehr ungleich; die desWassers z. B. bei der Verdunstungstemperatur von 34° beträgt 583Wärmeeinheiten, die eines gleichen Gewichtes Aether bei derselbenTemperatur (dem Siedpunkte des Aethers) nur 90 Wärmeeinheiten.
Beim Vorgänge der Verdunstung sind die Flüssigkeiten genöthigt,ihren Bedarf an Verflüchtigungswärme zunächst aus ihrem eigenenYorrath von freier Wärme zu schöpfen. In Folge dessen sinkt ihreTemperatur. Da jedoch einem jeden Körper, dessen Temperatur niedrigerist als diejenige seiner Umgebung, Wärme von aussen zufliesst, und dadieser Zufluss um so lebhafter erfolgt, ein je grösserer Temperatur-unterschied sich z'eigt, so kann die erwähnte Abkühlung nicht bis insUnbegrenzte fortschreiten. Es muss vielmehr schliesslich immer einGleichgewichtszustand eintreten, sobald bei einer gewissen Temperatur-erniedrigung der durch Fortdauer der Dampfbildung herbeigeführteVerlust an freier Wärme gleichzeitig durch Wärmezufuhr von aussenwieder ausgeglichen wird.
Der Eintritt, wie die Tiefe dieses niedrigsten Temperaturpunkteseiner verdunstenden Flüssigkeit ist mehr oder weniger von äusserenEinflüssen abhängig. Ersterer wird aber in allen Fällen dadurch be-
J ) Rüdorff, Ber. Chem. Ges. II, 68; Dingl. pol. J. CXCIY, 57; Wagn.Jaliresher. 1869, 508.
Wiener Weltausstellung. III.
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