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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Wasserstoffsuperoxyd.

oxyd. Dieselbe enthält nach der angeführten genauen Untersuchung etwaihr sechsfaches Volum an disponiblem Sauerstoff: 1000 g der Lösungwürden danach 86 g disponiblen Sauerstoff oder 18 - 3 g Wasserstoff-superoxyd enthalten. Wie es sich bei einer leicht zersetzlichen Substanzvoraussehen lässt, enthalten jedoch nicht alle Flacons Lösungen vonderselben Stärke. Eine im Berliner Universitätslaboratorium ausgeführtePrüfung constatirte in einem Volum der Lösung 9'4 bis 98 Volum andisponiblem Sauerstoff, entsprechend in einem Liter 13'6 g 0 oder28'9 g H 2 0 2 . Ein Flacon zu 20 Frcs. bietet dem Käufer also etwa25 bis 4 g dieser Substanz in Lösung dar, die in der That ihren Zweckvöllig, wenn auch langsam, innerhalb vier bis sechs Tagen, erfüllt unddie ungemein grosse Wirksamkeit des Wasserstoffsuperoxyds in auffal-lender Art beweist. Der Name des Parfümeurs, welcher so erfolgreichauf die Börsen seiner Zeitgenossinnen zu speeuliren verstand und auchder Nachwelt nicht verborgen bleiben sollte, ist E. II. Thiellay inLondon. Vielleicht ist er unabsichtlich der Begründer einer Wasserstoff-superoxydindustrie geworden, die sich fortan auch ernsterer Anwen-dungen zu erfreuen haben mag. Vielleicht selbst ist er nicht der ersteoder doch nicht der einzige Haarentfärber gewesen, wie aus einer gleichmitzutheilenden Notiz hervorgeht. Es ergiebt sich nämlich dass, wasv. Schrott er zur allgemeinen Kenntniss gebracht, einzelnen Einge-weihten schon früher bekannt war. So erscheint es nach einem gefäl-ligen Briefe des Herrn Commercienraths Schering (dat. Berlin, 3. Juli1874), in welchem es heisst:Das Bleichen der Haare, Federn u. s. w.mit Wasserstoffsuperoxyd hat sich wohl bewährt; der grösste Uebelstandist nur die leichte Zersetzbarkeit des Materials. Es wird für den ge-nannten Zweck in England und Frankreich als golden hair ivater oderauch Auricome in grossen Mengen bereitet und verwendet. Auch inmeiner Fabrik wird es häufiger zu gleichen Zwecken verlangt. Aehn-lich spricht sich in Briefen vom 20. und 27. Juli 1874 Herr J. Williams(von der Firma Hopkin & Williams in London) aus, welcher jedochdurch ihm eigenthümliche Vorsichtsmaassregeln haltbare Lösungen vonWasserstoffsuperoxyd mit 10 bis 20 Volum an disponiblem Sauerstoff(3 bis 6 Gewichtsprocent H 2 0 2 ) herzustellen angiebt. Die schwächereLösung, welche sich Monate lang unverändert erhalten soll, wird zu8 Kmk. pr. Kg (in grösseren Quantitäten zu 6 Rmk.), die stärkereLösung zum doppelten Preise verkauft. Die im Berliner Laboratoriumgefundene oben angegebene Sauerstoffmenge der Thiellaysehen Lösung,welche wohl aus der angeführten Fabrik stammen mag, entsprichtziemlich genau dem schwächeren dieser Präparate. Da die Flasche,als die Bestimmung ausgeführt wurde, bereits vier Wochen lang ge-öffnet, nur halb angefüllt und mit einem gewöhnlichen Kork versehenwar, so scheint die Haltbarkeit der Lösung in der That für die meistenZwecke zu genügen.