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Gruppe III. Chemische Industrie.
Annonay ihnen zu, als sie das Experiment am 4. Juni des folgendenJahres in grösserem Maassstahe wiederholten, und König, Hof undHauptstadt beglückwünschte die Erfinder, als sie es zu Versailles balddarauf mit neuem Glanze unternahmen. Das Reich der Lüfte schien derMenschheit gewonnen zu sein; der Raum ihr keine Schranken mehrentgegenzusetzen. Heute sehen wir mit kälterem Blicke auf jeneErfindung zurück, die trotz ihres neunzigjährigen Alters noch in derKindheit geblieben ist. Noch immer kann von einem Durchschiffen derLuft nicht die Rede sein, da der unlenkbare Ballon, weit entfernt dieLüfte zu beherrschen, vielmehr ihr Spielball geblieben ist. Aber einSchrift geschah zur Erreichung jenes Zieles, als Charles (Professorder Physik am Conservatoire des Arts et Metiers in Paris) der erwärm-ten Luft im Ballon das Wasserstoffgas substituirte. In Verbindung mitden Gebrüdern Robert, geschickten Mechanikern, leitete Charles am27. August 1783 in den Champs-Elysees die Erhebung des erstenWasserstoffballons, der seither als Charliere von der Montgolfiere unter-schieden ward. Beide Systeme wurden, das eine im November, das andereim December desselben Jahres zu den ersten Luftreisen benutzt. Dennbis dahin hatte man die Ballons ohne Bemannung steigen lassen oderdoch nur Thiere mit ihnen in die Höhe geschickt. Der erste Durch-schiffer der Lüfte, Pilätre de Rozieres, hatte die Idee, beideSysteme zu vereinigen. Sie wurde die Ursache seines Todes’. DasFeuer der Montgolfiere entzündete den Wasserstoff der Charliereund zerschellt fielen Luftschiff und Schiffer am 15. Juni 1785 aufdie Kalkfelsen der Küste von Boulogne herab. Die Veranlassungzu dieser unglücklichen Combination lag offenbar in dem Wunsche,durch Schüren oder Auslöschen des Feuers den Ballon zum Steigenoder zum Sinken zu bringen, ein Plan, der das Mitnehmen von Ballastunnöthig macht, und der sich noch in einem vor Kurzem erschienenenAufsatze des Hauptmanns Gaede (Lehrer der Kriegsschule zu Hannover)wiederfindet a ) und mit den hinreichenden Vorsichtsmaassregelnwohl praktisch werden kann. Seit Pilätre de Rozieres bis heutesollen 3700 Luftschifffahrten unternommen und nur 16 Todesfälle, meistdurch Montgolfieren veranlasst, bekannt geworden sein 2 ), obwohldas Meer wiederholt von Luftschiffern überflogen wurde. Nicht langenach seiner Entdeckung ward der Luftballon für praktische und ideelleZwecke verwerthet. Coutelle führte ihn zu Recognoscirungen in dieArmee ein und trug bei der Schlacht vonFleurus 1794 nach Carnot’sAussage zum Erfolge wesentlich bei. Hauptmann Gaede. in dem obenangeführten Aufsatze andererseits hält die Erfolge, welche durch Ballons,namentlich bei Recognoscirungen von Festungen bei früheren Feldzügen
J ) Gaede, Ueber den Bau gefesselter und lenkbarer Luftschiffe. Berlin,Mittler 1873. 2 ) Stephan, Weltpost und Luftschifffahrt. Berlin 1874.