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Gruppe III. Chemische Industrie.
wenn man den Schmelztiegel von aussen erhitzt. Man kann sich fernerbei ihrem Gebrauche in jedem Augenblick von dem Zustand des Metallsdurch Augenschein überzeugen. In der Metallurgie der gewöhnlichenMetalle kommen diese beiden Vortheile nicht in Betracht. Die Kohleist ausserdem nicht allein das wohlfeilste, sondern auch das ausgiebigsteBrennmaterial J ), und die Anwendung des Wasserstoffes als Wärmequellescheint deshalb auf die Selbstlöthung und auf die Schmelzung derstarrsten Platinmetalle beschränkt bleiben zu sollen.
Die Eigenschaft des Platinmoors, Wasserstoff zu entzünden, vonwelcher Döbereiner in seiner Zündlampe 1823 eine wohlbekannteund vielbenutzte Anwendung gemacht hat, verlor durch die Verbreitungder Zündhölzer in neuerer Zeit an praktischer Bedeutung.
Um so lebhafter und anhaltender war das Interesse, welches derWasserstoff als Lichtquelle erregte.
Da die Leuchtkraft von der Temperatur abhängt, in welcher einglühender fester Körper sich befindet, so lag es nahe, mit Hilfe diesesGases ein intensives Licht zu erzeugen, indem man einen unverbrenn-lichen Körper darin zum Weissglühen bringt. Hierzu benutzte derschottische Militairingenieur Drummond seit 1826 Cylinder aus Aetz-kalk, die im Knallgas erglühten; und nicht nur für geodätische Messungenund Leuchtthürme, welche der Erfinder zunächst in Aussicht genommenhatte, sondern auch für Projectionen mikroskopischer Objecte und photogra-phischer Glasbilder oder Zeichnungen auf Gelatine zumZwecke der Demon-stration in Hörsälen * 2 ), für Nebelbilder, Chrömatropen u. s. w. hat dasDrummond’ sehe Licht weite V erbreitung gefunden. Im amerikanischenBürgerkriege ward es bei Belagerungen zur Beleuchtung von Forts ver-wendet 3 ), und das brittische Kriegsministerium hat es in Casernen 4 )für grosse Säle und Höfe versucht, wobei es sich wohlfeiler als Gaslichtgestellt haben soll, während in einer Entfernung von 90 m von derLichtquelle noch die feinste Schrift lesbar war.
Da der Kalk durch den Gebrauch sein Leuchtvermögen theilweiseeinbüsst, so hat man statt seiner Platindraht, Magnesia und zuletztZirkon erde 5 ) angewendet.
Die bisher besprochenen Anwendungen der Wasserstoffflamme sindjedoch sämmtlich beschränkter Natur. Um sie in grossem Maassstabefür Strassenbeleuchtung zu verwerthen, verzichtete man auf die Mit-benutzung des Sauerstoffes und suchte nach wohlfeilen Bereitungs-
4 ) Die berechnete Temperatur der Kolilenflamme im Sauerstoffgas ist10 000°; hiervon wäre allerdings die unbekannte Wärmemenge abzuziehen,welche durch Dissociation bei dieser Temperatur verloren geht. SieheDebray, a. a. O.
2 ) Dieser Bericht 14, ferner H. Vogel, Ber. d. Cliem. Ges. III, 901.
s ) Wagner, Lehrbuch der Technologie 9. Aufl. II, 377. 4 ) Journal of Gas-
ligliting 1869. Daraus in Wagner’s Technologie a. a. O. 5 ) Siehe oben 8. 15.