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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Wasserstoff.

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die der Kathedrale von Canterbury im Jahre 1871 und die des Alexandra-Palastes in Muswellhill bei London im letzten Jahre, welche nachweis-lich durch Kohlenpfannen veranlasst worden sind, die zurLöthung vonBleirinnen dienten, haben in England zu Vorschlägen geführt, auch dieLöthung der Bleidächer und Bleiröhren mit Wasserstoff vorzunehmen.

Wie weit der Wasserstoff anderen Brennmaterialien überlegen ist,geht am besten aus der folgenden Zusammenstellung hervor. DurchVerbrennung im Sauerstoff entwickelt nach Favre und SilbermannsVersuchen ein Gramm der folgenden Substanzen die danebenstehendeAnzahl von Calorien (d. h. erwärmt um 1 Grad die danebenstehendeAnzahl von Kilogrammen Wasser) x ).

Wasserstoff 34462, Holzkohle (zu Kohlensäure verbrennend) 8'080,Kohlenoxyd 2403, Grubengas . . . 13063, Aethylen . 11858,

Terpentinöl 10'852, Stearinsäure. . 9'716, Aether. . . 9'028,

Alkohol 7-184.

Die Temperatur der Flamme ist jedoch nicht allein von der Ver-brennungswärme abhängig. Die Dichtigkeit der verbrennenden Substanzund die specifische Wärme der Verbrennungsproducte kommt hier wesent-lich mit in Betracht, und so erklärt sich, dass die Temperatur derWasserstoffflamme in reinem Sauerstoff etwa 6800°, in Luft etwa 2600°,die Temperatur der Kohlenoxydflamme in Sauerstoff etwa 7000°, inLuft etwa 3000° beträgt 2 ), sowie ferner, dass der Rechnung nach einVolum Wasserstoff (= 1 g) im Stande ist, 205 g Platin zu schmelzen,während dasselbe Volum Kohlenoxyd (= 14 g) 238 g Platin (vomSchmelzpunkt 2000°) zu schmelzen vermag. In der Praxis geht unterden günstigsten Bedingungen, wie sie Deville und Debray bei ihrenUntersuchungen über das Platin festgestellt haben, etwa die Hälfte derWärme durch Leitung an den Ofen und die Umgebung verloren, unddie genannten Forscher vermochten darum mit 120 1 Wasserstoff und60 1 Sauerstoff nur 1 Kg Platin statt der berechneten doppelten Mengein Fluss zu bringen. Auch mit Leuchtgas kann man unter den fest-gestellten Umständen Platin schmelzen und raffiniren. Nur für dieschwerer schmelzbaren Platinmetalle Iridium und Ruthenium und ihreLegirungen muss an der Wasserstoffflamme festgehalten werden, welche,wenn auch kostspieliger als die des Leuchtgases, wohlfeiler herzustellenist als die des Kohlenoxydes.

Bei Anwendung von Gasen kann, was die Kohle als Brennmaterialnicht gestattet, das Metall selbst mit der Flamme in Berührung gebrachtund so der grosse Wärmeverlust vermieden werden, welcher statthat,

J ) A. Wurtz, Dictionnaire de Chimie I, p. 825, 826. 2 ) Debray,

Sur la. production des temperatures elevees et sur la fusion du platine,Leijons de Cliimie professees en 1861, 65. Paris 1862.