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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Ozon.

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erwähnt werden, ebenso die Gläubigkeit, mit welcher danach bereitetesogenannteOzonbäder trotz oder wegen ihres hohen Preises Abnahmefinden. Jedenfalls ergiebt sich, dass eine industrielle Darstellungs-methode von Ozon bisher noch ein unerfülltes Desideratum ist.

Nur der höchste Zweig der Industrie, derjenige, für welchen mitRecht kein Preis zu theuer erachtet wird, weil sein Object die Gesundheitist, die Medicin, hat die bisherigen Methoden für genügend erachtet,um das Ozon in ihr Bereich zu ziehen. Diesem Bestreben lag die vonSchönbein gemachte Beobachtung zu Grunde, welche Andrews seit-her ausser Zweifel gestellt hat J ), dass die Luft der Städte und selbstgut ventilirter Zimmer auf dem Lande kein Ozon enthalte, welches sichdagegen in der freien Landluft immer nachweisen lässt, und die aller-dings unbewiesene Vermuthung Schönbeins vom Zusammenhang derEpidemien mit Ozonmangel.

Besonders ist neuerdings Lender für die medicinische Ver-wendung des Ozons und seine Wirksamkeit eingetreten, indem er Ozon-inhalationen und den fortgesetzten Gebrauch von Ozonwasser gegenTuberculose, Gelenkrheumatismus, Glaucom, Asthma, Gicht u. s. w.empfiehlt 2 ). Dass seine Bemühungen die Zustimmung des ärztlichenPublicums nicht gefunden haben, ergiebt sich aus einer Discussion derBerliner medicinischen Gesellschaft, die am 29. October 1873 unter demPräsidium von Langenbecks stattfand 3 ) und in welcher dieseMethode ausser Lender nicht einen Vertheidiger fand, wohl aberlebhaften Widerspruch erfuhr. 0. Liebreich führte dort namentlich,an: Das Ozon sei so leicht zersetzlich, dass es unmöglich sei, das-selbe ins Blut überzuführen; dasselbe werde schon auf dem Wege zuden Respirationsorganen zersetzt; Inhalationen davon seien also reineSauerstoffeinathmungen, und zur Desinfection von Krankenzimmerngebe es einfachere und bessere Mittel. Zu erwähnen bleiben hierbeiimmerhin die Beobachtungen Schönes 4 ) und Houzeaus 6 ), dassnach Manipulationen mit Ozon den Händen, sowie Kleidern aus Flanelloder anderen Geweben der Geruch des Ozons längere Zeit anhaftet: seineZersetzung also keine augenblickliche zu sein scheint.

Dass die physiologische Wirkung stark ozonisirten Sauerstoffseine sehr bedeutende ist, ergiebt sich aus neuen Versuchen von Dewarund MacKendrick 6 ). Durch Induction ozonisirter Sauerstoff, welcherhöchstens 10 p.C. Ozon enthielt, tödtete kleine Thiere, welche mandarin athmen liess, Kaninchen, Mäuse und kleine Vögel, die beiden

B Andrews, Nature 1874, 366. 2 ) Lender, Göschens Deutsche

Klinik 1872 u. 1873. 3 ) KlinischeWochenschrift 1873, 588,589. 4 ) Schöne,

Ber. Chem. Ges. 1873, 1226. B ) Houzeau, Ann. cliim. phys. [4] XXVII16. 6 ) Dewar u. MacKendrick, R. Soc. Edinb.. Proc. Session

18731874.