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3,1,1 (1875) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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2 Gruppe III. Chemische Industrie.

ersten erfolgreichen Schritt.Es ist selbstverständlich, schreibt er x ),dass die'atmosphärische Luft nicht am geeignetsten ist, die Wirkung desFeuers zu erhöhen, dass, wenn man durch den Blasebalg einen Luftstromauf glühende Kohlen leitet, drei (!) Theile schädlichen oder doch unnützenGases auf einen Theil der nützlichen Luftart zugeführt werden, und dassdaher, wenn man die letztere im reinen Zustande für die Verbrennungverwenden könnte, die Wirkung des Feuers bedeutend erhöht würde.Dieser Gedanke hat sich zweifelsohne sehr vielen Personen vor miraufgedrängt, und ich höre selbst, dass der berühmte Berliner ChemikerHerr Ach ard schon Anwendungen davon gemacht hat * 2 ); aber es bleibtübrig, einen bequemen und wohlfeilen Apparat dafür zu construiren.Als solchen benutzte Lavoisier zuerst thierische Blasen, die mitRöhren und Hähnen versehen waren.Ich machte nun, fuhr er fort,mit einem Messer in ein grosses Stück Kohle ein Loch von 3 bis 4Linien Tiefe und legte 6 Gran Platin hinein, entzündete die Kohle mitdem Löthrohr an der Emaillirlampe, öffnete den Hahn meines Apparatsund blies die reine Lebensluft in die Höhlung. Die Kohle verbranntesehr rasch mit Detonation, wie sie der schmelzende Salpeter hervorbringt,und mit blendender Helligkeit, und in wenigen Augenblicken war dasPlatin zu Körnern geschmolzen, die sich bald zu einer Kugel vereinigten.Die Schmelzung gelang gleichmässig, ob man das gewöhnliche Platindes Handels, oder solches anwandte, dem vorher durch den Magnetendie magnetischen Theile entzogen waren. Bis jetzt hat man bekannt-lich das Platin niemals zu schmelzen vermocht. Lavoisier verbes-serte nun seinen Apparat noch in demselben Jahre 3 ) gemeinschaftlichmitMeusnier und erhielt so einen Gasometer, welcher aus zwei Kastenbestand, im kleinen Maassstabe sehr ähnlich den wohlbekannten Reser-voirs, welche die Gasanstalten noch heute zur Aufbewahrung desLeuchtgases benutzen. Saron hatte zu jener Zeit zwei Löthrohre( chalumeaux ) construirt, von denen eines Sauerstoff, eines Wasserstofflieferte. Mit ihrer Hilfe gelang es Lavoisier nicht, Platin zuschmelzen 4 ). Aber schon damals hoffte er mit Saron gemeinsam ein

x ) Memoire sur un luoyen daugmenter considdrablement laction du feuet de la chaleur dans les operations chimiques (1782). Oeuvres de La-voisier II, 425.

2 ) Die angezogene Arbeit Ach ards findet sich in den Memoiren der

Berliner Akademie von 1779 unter dem Titel: Sur un nouveau moyen de

produire avec une tres petite quantite de charbons une chaleur egale ä celle quonpeut produire par des verres et des miroirs ardents dune grandeur consid&able.Ach ard zersetzte Salpeter durch Erhitzen in einer irdenen Betörte undliess die so erhaltene dephlogistisirte Luft in einen Blasebalg treten. Die-ser führte sie einem Kohlenofen zu, in welchem eiserne Nägel in einem hessi-schen Tiegel r'asch in Eluss geriethen. Auch meinte er durch Zuleiten desso erzeugten Gases in schlecht ventilirte Zimmer die Luft in denselben zu d ephlogistisiren.

3 ) Lavoisier, Oeuvres II, 432 ff. 4 ) Lavoisier, Oeuvres II, 430.