XIV
Einleitung.
Dagegen lassen sieh in dem schlesischen Collegium beate Marievirginis nur wenige Preussen nacliweisen, nämlich: 1 )
1440—(1448?) Silvester [Stodewescher] de Thoren.
1445 Jodocus Hogenstein (de Gdanczk).
1465 Nicolaus [Clementis] de Golaw (Gollup).
1482 Martinus Furman de Könitz.
? —1499. Thomas Werneri de Braunsberg.
1500—1514. Gregorius Breitkopf de Könitz.
1518 -Johannes Matz Thoruniensis.
In einer um 1465 2 3 ) von Andreas Wagner, Domherrn und Kanzlervon Breslau, an den Propst und die Kollegiaten des Frauenkollegs ge-richteten Erzählung der Geschichte des Frauenkollegs wird der Anteilder Preussen an dieser Stiftung auf ein sehr bescheidenes Mass zurück-geführt: aus Gnade (ex gratia) hätten die 5 schlesischen Magister dertestamentarischen Verfügung Münsterbergs Preussen zugelassen, dieselbenaber später, weil sie sich nicht mit ihnen vertragen konnten, wiederentfernt (quos etiam aliquando ex eo, quod non poterant sese compor-tare cum collegiatis Slezitis, perpetuo amoverunt etreiecerunt). Böhmenund Mähren, heisst es weiter in demselben Bericht, haben überhauptkeinen Anspruch auf Teilnahme am Frauenkolleg, weil sie zwar inLeipzig, aber nicht in Prag zur polnischen Nation gehörten. Der Vor-wurf, dass das Statutenbuch des Frauenkollegs, weil von der Hand desAndreas Wagner geschrieben, nicht das ursprüngliche wäre, sei unbe-gründet, da Wagner sich in seiner Abschrift genau an das vom Alterstark beschädigte Original (consumpte vetustate) gehalten habe. Hecergo sunt, schliesst der interessante Bericht, quibus venerandis magistrispoteritis vos et collegium tueri ab incursionibus Bohemorum et Prute-norum adversantium vobis et collegio, ex quo elicere potestis, quo modonullum penitus habeant fundamentum emuli, quo nituntur vobis etcollegio iam contradicere et lites movere qui nesciunt quid faciunt. DasStatutenbuch des Frauenkollegs hatte am 14. Juni 1465 der KollegiatNicolaus [Clementis aus] Golaw (d. i. Gollup in Westpreussen) demKanzler der Universität Leipzig, dem Bischof von Merseburg vorgelegt 11 )
1) Zarncke p. 776.
2) Urkundenbuch d. Univ. Leipzig 224 ff. n. 185. Der Herausgeber setzt nachZarnckes Vorgang p. 769 diesen Bericht zwischen 1480 und 1482, aber nur, weil der eineder Adressaten, Thomas Hertel aus Jauer, erst 1480 als Kollegiat des Frauenkollegs vor-kommo; dieser wird aber bereits 1465 als solcher erwähnt (vgl. auch Pfotenhauer, Schlesierals Rektoren der Univ. Leipzig im 17. Bande der Zeitschrift d. Ver. f. Gesch. Schlesiens(1883 p. 219), Urkdb. 147 n. 127, zugleich mit dem anderen Adressaten Stanislaus Pechmande Sweidnitz; den dritten Johannes Oston setzt Z. ebenfalls ins Jahr 1465 (p. 776). Da derBerichterstatter Andreas Wagner schon 1455 die Universität verliess, der er seit 1440 an-gehört hatte (Pfotenhauer 1. c. 209), wird man seine Darstellung möglichst nahe an diesenTermin heranrücken. Kanzler von Breslau wurde Andreas Wagner erst 1459 (Härtel, diePrälaten des Breslauer Domstiftes, Zeitschr. f. schles. Gesch. XXTV (1891) p, 290),
3) Urkdb. d. Univ, Leipzig 151 n. 129.