^^ir leben in Tagen der aufregendsten Überraschungen. DieThatsachen überstürzen sich, wie die gebäumten Wogen des Meeressich in jäher rücksichtsloser Eile überwältigen, um sich mit rastlos er-neutem tosenden Spiel einander das schäumende Grab zu bereiten.Wohin der Blick sich wendet, Neues, Unerwartetes, Verhängnißvolles!Der nächste Tag spottet über die abenteuerlichen Anstrengungen desvorigen, wie über überwundene Vorurtheile früherer Jahrhunderte,und errichtet auf den Trümmern der gestrigen Trugbauten neue,noch ausschweifendere Phantome des Ehrgeizes, der Willkür, der Un-gerechtigkeit.
Wir fürchten seit langen Jahren viel; und indem wir es nichtselten lediglich bei der trägen feigen Furcht bewenden ließen, tröste-ten wir uns mit dem beschwichtigenden Gedanken, daß wir Pessimi-sten seien. Herbe Täuschung! Wir gleichen den hilflosen Abgebrann-ten, welche keine Heimath mehr haben; wir treiben, der Verzweiflungpreisgegeben schiffbrüchig auf der letzten Planke eines Fahrzeuges, daswir einst für unser Vaterland hielten.
Wie groß jedoch das Chaos der Weltlage in solcher Stundeauch sein mag, unsere Sterne am ewigen Himmel sind nicht erloschen.Durch das grauenvolle blutige Bild des Krieges und der Zerstörung,welches uns mit unerbittlicher, entsetzlicher Wirklichkeit die Tagsge-schichte entrollt, ziehen sich, verhüllt aber doch nicht unsichtbar, dieSpuren einer leitenden höhern Hand. Sie weist zurecht, indem sieschlügt, sie heilt, indem sie verwundet; es ist dieselbe Hand, welche zuBabylon dem schwelgenden Könige, der den Taumel der Lust ausden Tempelgefäßen von Jerusalem trank, das schon hereinbrechendeStrafgericht an die Wand geschrieben. Zu rechter Zeit wird es auchjetzt nicht fehlen an der Lapidarschrift des Urtheiles, wovon es weiterkeine Berufung gibt, und das Prophetenamt wird zur Hand sein,welches den Dolmetscher des ergangenen Richterspruches macht analle Welt.