3 II. Abschnitt.
Völkerstämme, näher an einander gerückt, lassen sichleichter erforschen und erkennen, als da, wo die Kon-traste der Vergleichung fehlen.
Der deutsche Stamm, des helvetischen Volkes trataus dem Dunkel der barbarischen Jahrhunderte mitHeldenglanze hervor. Kämpfend für die heiligste Sachedes Menschen, überall siegend, und doch bescheidenund mäfsig, gründete er seiner Tugend ewigen Ruhm,seinen spätesten Nachkommen ein geehrtes und gefürch-tetes Vaterland, und jedem edeln Menschen ein wohl-thätiges Vorbild und ein Herz erquickendes Schauspiel.Der heilige Genius der Humanität bewachte den tiefenFrieden dieses Bodens; hielt, mitten unter den unauf-hörlichen Stürmen und Zerfleischungen der Völker Eu-ropa’s, durch die in drey Zungen redenden Eidgenossendie letzten Bande der Menschheit zusammen , und öf-nete jedem von politischer oder kirchlicher PartheywuthVerfolgten *) , jedem, dem das Toben höllischer Lei-denschaften ein Greuel war, sichere Ruhestätte in demSchoofse der Alpen. Welchem Europäer sollte nichtin diesen Hinsichten die Schweitz äufserst merkwürdigseyn ? — Das unglückliche Loos, welches dem Vater-lande Teils und Winkelrieds von fremder Gewalt amEnde des XVIII. Jahrhunderts bereitet wurde, fügtder merkwürdigen Geschichte des Alpenvolks einige
*) Die Vertreibung J. J. Rousseau’s von der Pctersinsel im
Pielersce, auf Befehl der Regierung von Bern, ist die
einzige betrübte Ausnahme der Art.
Im Merz 1798, mitten itu Frieden, rückte eine franzö-
1
I