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Die Begründung der "Deutschen Rundschau"
Entstehung
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Diese kleinen Züge fügen dem überwältigend großen Bilde, wenn man esim Zusammenhänge betrachtet, freilich nicht viel hinzu; doch man begreift,mit welchen Empfindungen diese Blätter mich erfüllten, so frisch nach denweltumgestaltenden Ereignissen, die sie schildern, und in der Handschriftder Männer, die bei ihnen in erster Reihe Mithandelnde waren; welches Ge-fühl der Sicherheit, weit über das bloß literarische Interesse hinaus, sie mirgaben, wenn ich bedachte, daß wir mit ihnen zuerst vor das deutschePublicum treten und unsere Laufbahn beginnen sollten!

Gegen Mitte September, nachdem alle Arbeit gethan war, verließ ichBerlin, um einige WochenFerien in England" zu haben. In einer eigen-thümlich traumhaften Stimmung, leicht ermüdet, ein wenig traurig, betrat ichnach langer Zeit diesen Boden wieder, auf dem ich einst so viel gute Jahreverlebt hatte Jahre der Freundschaft, der ungeduldigen Erwartung, Jahreder frohen Hoffnungen und schönen Zukunftspläne von allem Neuen mächtigerregt, von der Fülle neuer Eindrücke bestürmt, von der Großartigkeit neuerAnblicke gehoben, und Alles mit der noch unverbrauchten Jllnsionsfähigkeitder Jugend in mich ausnehmend. Von allen Seiten drang das Massenhafteder Erscheinungen auf mich ein öffentliches Leben, Geschichte, Literatur,Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Wochenschriften, Monatsschriften, Viertel-jahrsschristen; und hier, stärker als je zuvor, erwachte der alte Trieb aufsNeue, dem in frühen Jahren schon dieBlätter und Blütchen" entsproßtwaren. Wie manchmal unter der Kuppel des Lesedoms im British Museumhatte ich mit dem liebsten Freunde, mit Emanuel Deutsch, vor diesen langenReihen compacter Halblederbände gestanden, die von Addison's und Steele'sLxoetator" bis zu Thackerah's ,,6ornüiU Nagamno" reichten; wie manchmalauch davon gesprochen mit Ferdinand Freiligrath, der mir später nach Deutsch-land schrieb:Lassen Sie mich vor allen Dingen hoffen, daß die beabsichtigteZeitschrift zu Stande kommt und daß die Vorarbeiten zu dem UnternehmenSie recht bald wieder herführen*)." Siebzehn Jahre waren seitdem vergangen,der eine Freund war todt, der andere weit weg und ich wieder in Londonaber nicht in dem mehr, das es mir damals gewesen.

Wir waren die Gäste einer uns nahe verwandten Familie, die nicht weitvon London, bei Cranford, in der Grafschaft Middlesex, eine schöne Besitzunghatte. Dort, in Elthorne House, in der Halle, dicht am Portal, stand einlanger Eichentisch, auf dem, immer nach ihrer Ankunft, die Postsachen aus-gebreitet wurden und Jeder, der hereintrat» sogleich das für ihn Bestimmtefand; und da war's an einem sonnigen Herbstnachmittage, daß aus einer

') Erinnerungen aus der Jugendzeit. Deutsche Rundschau 1898. Bd. X6IV, S. 421.