I O 3. Gottiveig.
fehlen jetzt, der Rücken ist erneuert (32-8 X 23'8cm\ 148 Perg.-Bll.,in langen Zeilen beschrieben. Die Blätter sind oben in der Mitteder Seiten durchgezählt, daneben geht gleichzeitige Quaternen-bezeichnung bis XVIII. Die Handschrift enthält S. Augustini5 et Hieronymi epistolae de anima und Claudiani Mamerti libri IIIde statu animae. Die Schrift des Codex fällt in die Mitte des12. Jahrh.
Das Bücherverzeichnis steht auf f. 148^ und füllt zwei Dritteldieser Seite aus. Es ist sorgfältig, ohne Absätze, fortlaufend ge-
10 schrieben; als Schriftbasis hat die Linierung der Vorderseite, f. i48 Rgedient. Jeder Buchtitel ist durch einen großen Buchstaben hervor-gehoben, der Name des Schenkers ganz in Majuskeln geschrieben,sonst kommen Großbuchstaben nicht vor. Jedem Buchtitel folgt einKolon. Unter dem Verzeichnisse stehen von ziemlich gleichzeitiger
*5 Hand in kleinerer Schrift Bezeichnungen der Solmisation. DieSchrift des Verzeichnisses macht im ganzen den Eindruck einerälteren Schreibschule, r und f zeigen statt eines Punktes zwei Druck-punkte im Ausstrich nach rechts. Auch den gespaltenen c-Kopf kannman erwähnen. Unterlängen sind jedoch nicht betont. Die Ein-
20 tragung ist übrigens nicht in einem Zuge gemacht. Von den WortenLiber orationum an hat dieselbe Hand in größeren Buchstaben, je-doch mit gleicher Tinte geschrieben; vor allem die Bildungsweisedes Buchstaben g beweist, daß hier eine und dieselbe Hand tätigwar. Die Schrift des Verzeichnisses wird wohl auch in die Mitte
25 des 12. Jahrh. zu setzen sein wie die Schrift des Codex selbst. —Zwei eingeheftete Papierblätter enthalten eine nicht fehlerfreie Ab-schrift des Katalogs aus dem 18. Jahrh.
Pez beruft sich für das dem Honorius von Autun zugeschrie-bene c Offendiculum de Incontinentia sacerdotum' im Thesaur. aneed.
30 a. a. O. p. V Nr. 5 auf das Verzeichnis der vom Bruder Heinrichgeschenkten Bücher und bemerkt: 'Sed hodie hi Codices Gottwici desi-derantur uti et plerique omnes libri ea Heinrici donatione com-prehensi', was mit den Tatsachen nicht vollkommen stimmt. Dochwürde eine Ausführung darüber die hier einzuhaltenden Grenzen
35 überschreiten.
Über die Person des Schenkers ist weder aus den Chronikennoch aus dem Nekrolog des Klosters eine entsprechende Nachrichtoder ein passendes Datum zu finden. Diemer (a. a. O.) hat ange-nommen und den Beweis versucht, daß der in der Überschrift des40 Verzeichnisses genannte frater Heinricus in Göttweig identisch seimit Bruder Heinrich von Melk, dem Dichter des 'Priesterleben'und der 'Erinnerung an den Tod.' Rieh. Heinzel, Heinrich vonMelk, Berlin 186 7, ist dieser Ansicht nicht, wie schon der Titel