308 König Gustav III. von Schweden in Aachen
ihm das Verlangen, einem nach seinem Begriff demüthigendenZustande durch Zurückgewinnung der dem Königtum zustehen-den Rechte ein Ende zu machen. Es ist nicht zu verkennen,daß diese Tendenz seinem Charakter den Vorwurf der Zwei-deutigkeit ja der Treulosigkeit zuziehen mußte, indem er inden ärgsten Conflict mit der Verfassung des Landes gerieth.Dieser innere Conflict zerstörte mehrfach die guten Wirkungender zu Anfang seiner Regierung in's Leben getretenen ernstenBemühungen zur Verbesserung der Zustände und Einführungwirklicher Reformen, und steigerte die Waghalsigkeit, vonwelcher seine auswärtige Politik in Krieg und Frieden nichtfreizusprechen ist, die ihn überdies immer tiefer in die Fesselndes Subsidienwesens verwickelte, freilich ein alter Krebsschaden,an welchem weit größere und mächtigere Staaten als der seinenoch lange krankten.
Er war ein rechtes Kind seiner Zeit. Der BewundererVoltaire's und Anhänger der Enchclopädisten war ein gläu-biger Schüler von Gauklern, die mit Geheimbündlerei undGeistererscheinungen ihr Wesen trieben. „Der verhöhnteGlaube", sagt Eric Gustav Geiser der Historiker, Heraus-geber der nachgelassenen Schriften des Königs, „ließ bei seinemAbzüge die Thür hinter sich dem Aberglauben offen, welcherin Dämmerung und Nacht eine geheime Verehrung genoß,während man am Tage wetteiferte, auf dem Altar der Auf-klärung zu opfern." In den Schlössern Gripsholm und Drott-ningholm wurden magische Vorstellungen gegeben, in der Lofö-kirche die Schatten Gustav Adolfs und Adolf Friedrichs citirt.Mehre der königlichen Vertrauten, namentlich der Staats-secretär Elis Schröderheim und Gras Oxenstjerna, warenunter den eifrigsten Anhängern dieser sinnverrückenden Lehren.An Letztem richtete Gustav von Spa aus zwei Briefe, indenen von Freimauerei und Mysterien viel die Rede ist undwelche an den Tag legen, wie sein Geist mit diesen Dingenbeschäftigt war, obgleich er nicht so weit ging wie sein BruderCarl, welcher bis an sein Lebensende in diesen Irrungen be-fangen blieb. Zwei Hauptpassionen des Königs waren Spiel und