A4 König Gustav III. von Schweden in Aachen
interessant zu zeichnen, den Geist eines Buches oder einerganzen schriftstellerischen Thätigkeit wie im Hohlspiegel aufzu-fangen und klar zurückzustralen, — Samte Beuve in derPorträtsammlung, die wol die trefflichste, reichste und an-ziehendste Reihe von Feuilleton-Artikeln aller Literaturen bildet.
Die Gräfin Boufflers war bald nach ihrer Heirat (1746)Ehrendame der Herzogin von Orleans geworden, doch kurzeZeit darauf aus diesem Verhältniß ausgeschieden. Als derschwedische Kronprinz in Paris war, bildete sie, deren Schön-heit ihre Jugend lange überlebte, die vornehmste Zierde derGesellschaft im Temple, wo der Prinz von Conti, LouisFrancois von Bourbon, vorletzter dieser Nebenlinie der Prinzenvon Condö, residirte. Die Opposition in welcher der Prinzmit den meisten anderen der Königlichen Familie sich währenddes Kampfes zwischen der Krone und den Parlamenten, Lud-wig XV. gegenüber befand, der ihn „mou eousin I'uvooat"nannte, hinderte Gustav nicht, diesen Salon fleißig zu besuchenwenn er nicht bei Hose oder im Theater war. Seine Be-ziehungen zu den Literaten wurden zum Theil durch die Gräfinvermittelt, welche mit vielen derselben bekannt war. ImJahre 1763 war sie in England gewesen und hatte für Landund Volk lebendige Sympathien bewahrt. Sie hatte sich dortnamentlich mit David Hume, dem Philosophen und Historiker,befreundet, und Horace Walpole hatte ihr auf seinem be-rühmten Landsitze Strawberry Hill, dieser Carricatur gothischenBaustils, eine Fete gegeben, obgleich er, der Freund von Ma-dame du Deffand, für diese gegen die Gräfin Partei nahm.Der schwedische Prinz sah an der Seite Letzterer ihre an-mutige Schwiegertochter, gewöhnlich Comtesse Amölie genannt,die Tochter des vormaligen Botschafters in Constantinopel,Des Alleurs, und selber am Bosporus geboren, im Jahre1768 mit dem Grafen von Boufflers, Obersten des Regi-ments Conti, vermält. Gustav unterhielt nachmals mit derGräfin, jder wir wiederholt begegnen werden, eine Correspon-denz, von welcher unter den Handschriften der Bibliothek vonUpsala manche Zeugnisse vorhanden sind.