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Kleine historische Schriften
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Die Jonischen Inseln

ihre Treue zu sichern gewußt. Wenn wir diese unleugbareThatsache mit nachmaligen Vorfällen und Zuständen vergleichen:wenn wir in Anschlag bringen, wie ruhelos und unbefriedigtdie Inseln während der wechselvollen Jahre vom Sturze Ve-nedigs bis zum Sturze Napoleons gewesen, wie unbefriedigtund ruhelos sie seit beinahe einem halben Jahrhundert, inden Friedensjahren seit der Gründung des Siebeninselstaatsbis zu dessen Vereinigung mit dem Königreich Griechenlandim Jahre 1863 in immer steigendem Maße geblieben sind;wenn wir die Verhältnisse der Ionier zu Venedig ihrer Herrinjenen zu Britannia ihrer Beschützerin an die Seite stellen:so fallen uns die großen Unterschiede nothwendig auf. Unter-schiede, die sich nicht etwa lediglich aus dem unzweifelhaftenUmstande herleiten lassen, daß in dem Bewußtsein der Völkerneue Factoren thätig geworden sind, daß in dem Leben undden Beziehungen zu Andern neue Bedürfnisse sich nicht abweisenlassen. Wir müssen die Erklärung einer jedenfalls bemerkens-werthen Thatsache auch in andern Umständen suchen, die manja nicht als äußerliche betrachten noch als unwesentliche behan-deln darf. Unter diesen stehn in erster Reihe der Geist dervenetianischen Regierung und die Verfassung der griechischenInseln zur Zeit der Herrschaft der Republik.

Mehr denn anderes hat die hartnäckige Opposition derjonischen Repräsentation gegen England Anlaß geboten, dieGeschichte und Zustände der Inseln in dem Zeitraum, der vomEnde des 14. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. reicht,genauer in Betracht zu ziehn. Nachdem es lange eine bequemeMode gewesen, alle Übelstände, die sich neuerdings auf denInseln bemerklich gemacht und das Regieren aus denselbenerschwert haben, ohne weitern Prozeß der venetianischen Herr-schaft in die Schuhe zu schieben, hat eine richtigere Ansichtund gerechtere Beurteilung dieser Herrschaft sich Bahn zubrechen begonnen. Es ist dies in demselben Maße geschehn,wie man von jenem schiefen und unbilligen Urtheil über Ve-nedig überhaupt zurückgekommen ist, zu welchem die Skepsisund Neuerungssucht des vorigen Jahrhunderts den Grund