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König Victor Amadeus' II.
fängniß umgewandelt und von einer unter den Befehlen desGarde-Oberstlieutenants Solaro stehenden starken Truppen-abtheilung besetzt worden. Des Königs Person wurde stetsvon vier Offizieren bewacht, die Thüre seines Zimmers durftenicht verschlossen werden. Wollte er allein bleiben, so mußtenzwei an der Thüre stehn um seine Gespräche mit dem Dienerzu vernehmen. Nachts mußte ein Offizier quer vor dieserThüre, ein anderer im Nebenzimmer schlafen. Die Diener-schaft mußte mit lauter Stimme reden. Nebenthüren undTreppen wurden vermauert; das Gemach hatte einen einzigenZugang. Wünschte der König sich auf einer anstoßendenkleinen Terrasse Bewegung zu machen, so hielten Wachen sichin der Nähe. Alle Schreibmaterialien wurden ihm verweigert.Der Beichtvater Abate Dormiglia traf bald ein, nach ihmzwei andere Geistliche. Morgens wurde in der Kapelle fürden König Messe gelesen, unterdessen durchsuchte Solaro mitzwei Offizieren aufs schärfste dessen Wohnung, was sich nachdem Schlafengchn wiederholte. Die Eisengitter an den Fensterngenügten nicht: sie wurden durch bewegliche hölzerne Verschlügegeblendet wie man sie an Klöstern und Gefängnissen anbringt.Dormiglia sollte dies dem Könige anzeigen; zitternd kam erdem Befehle nach. Im ersten Moment begriff VictorAmadeus nicht um was es sich handelte, dann blieb er wieerstarrt. Endlich sagte er mit verächtlichem Lächeln: „Nunwohl, mögen sie die Kasten anbringen und schließen."
Während der ersten Tage überstiegen die Verwünschungen,das Toben, die Wuthausbrüche alles Maß. Offiziere wieDiener litten gleichmäßig darunter. Man begann zu fürchtenes sei wirklicher Wahnsinn, so sehr vergaß der Unglückliche dieWürde des Mannes mit der des Fürsten. Das war was diejunge Königin, welche einst von der Zärtlichkeit ihres Schwähersnicht genug reden konnte, „ so portant bien" nennt. Allmälichberuhigte er sich und verlangte nach der Marquise. Als inTurin die Zustimmung zu ihrer Wiedervereinigung mit demKönige ertheilt wurde, legte sich seine Heftigkeit, um jedochselbst bei geringfügigsten Anlässen nochmals hervorzubrechen.