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Kleine historische Schriften
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König Victor Amadeus' II.

mehr als einmal unbequem erwiesen, Vortheile wie Nachtheilevielleicht in gleichem Maße veranlaßt hatten. In der Wahleiner Lebensgefährtin für den Prinzen vermied er die Allianzmit einem so mächtigen Hause. Für die Politik der freienHand war dies allerdings bequemer, obgleich die politische Be-deutung von Familienallianzen längst geschmälert war. Am15 . März 1722 vermälte sich der einundzwanzigjährige Prinzmit Christine Luise von der Pfalz, Tochter des PfalzgrafenTheodor von Sulzbach und einer Landgräfin von Hessen-Rhein-fels und Rothenburg. Der Großvater der Braut, von einerNebenlinie von Pfalz-Neuburg, war zur katholischen Confessionübergetreten. Ein Jahr darauf starb die Prinzessin bei derGeburt eines Sohnes, der nur das Alter von zwei Jahrenerreichte, und im Juli 1724 heiratete der Wittwer ihre Cou-sine Polhxena Christine Johanna, die achtzehnjährige TochterErnst Leopolds Landgrafen von Hessen-Rheinsels-Rothenburgund der Gräfin Eleonore von Löwenstein-Wertheim. Auchbei dieser Braut war der Urgroßvater, der eine Seitenlinieder Landgrafen von Hessen-Cassel stiftete, Katholik geworden.Ihre Schwester Christine heiratete nachmals den Prinzen Lud-wig Victor von Carignan, den seinem Vater unähnlichen Sohndesjenigen, von welchem oben die Rede gewesen ist. Anfangswar von einer Verbindung Carl Emanuels mit einer mode-nesischen Prinzessin die Rede gewesen, aber man entschied sichfür die Deutsche, und am 20 . August 1724 fand zu Thononam südlichen Ufer des Gensersees die Vermälung statt. Po-lhxena war schlank, von angenehmen Zügen, blond und vonzartem Teint. Obgleich sie, wie fast alle damaligen Prinzenund Prinzessinen französisch, und zwar wie gewöhnlich rechtschlecht schrieb, hatte sie deutsches Gemüth und Wesen. Vonkeinen hervorragenden geistigen Eigenschaften, zeigt sie sich inihren Briefen den Ihrigen, in der alten wie der neuen Hei-mat, sehr anhänglich, heiter, unbefangen, gutmüthig, wo nichtbesondere Anlässe sie verstimmen; mehr als mit wichtigenDingen, deren doch manche unter ihren Augen vorgingen, mitden kleinen Alltäglichkeiten beschäftigt, die sich im Hof- und