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Kleine historische Schriften
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König Victor Amadeus' II.

Herzog ausfahren, während vier Edelleute, die als Mundschenkendienen und den Wagen zu Pferde begleiten, unter dem Ober-hofmeister stehn. Überdies giebt es einen Generalcontroleurvon welchem die ganze Hofdienerschaft abhängt. Das Gehaltdes ersten Kronbeamten, des Oberkämmerers, beläuft sich auf3000 Lire (Franken). Gegenwärtig werden die Gesandtenohne öffentliche Function privatim empfangen. Früher wurdendie Botschafter nach feierlichem Einzuge von einem mit ihrerEinführung beauftragten Hofbeamten vorgestellt, und einigeTage lang im Palast bewirthet, was bedeutende Kosten ver-anlaßte. Die Förmlichkeiten unterbleiben jetzt auch, weil derHerzog sich mit diesem oder jenem besprechen zu können wünscht,ohne Aufsehen zu erregen. Nachdem ich den Königlichen Ho-heiten (den beiden Herzoginnen) vorgestellt worden war, hatteich Zutritt zu Hofe, wann immer ich hinzugehn Lust hatte.Jeden Abend können die Gesandten zu Hofe gehn, wo sie inden Paradezimmern verweilen, in denen die Hossräulein, dieDamen welche zum Zirkel kommen, die Hofcavaliere undfremden Edelleute verweilen, der Eine sitzend, der Anderestehend. Um acht Uhr in jeder Jahreszeit treten die Damenbei Madame Royale, der Herzogin-Wittwe ein, diejenigenwelche Hoffräulein gewesen und dann Ehrendamen gewordensind, die einzigen welche dies Privilegium haben, und einKissen in die Kirche tragen lassen dürfen. Sie stehn um Ma-dame herum, welche sitzend mit ihnen redet; die Cavalieregehn ab und zu. Nach einer Viertelstunde entfernen sichdie Damen, worauf die Diplomaten eintreten, mit denen Ma-dame sich meist stehend unterhält, dann sie entläßt und mitden anwesenden Cavalieren redet. Hierauf geht man zurregierenden Herzogin, wo dasselbe sich wiederholt. Jedem stehtdann frei bis zehn zu bleiben, wo man zu Nacht speist; dieMeisten aber gehn zu den in der Residenz stattfindenden Ge-sellschaften.

Alle Festtage und Freitage wohnen die Königlichen Ho-heiten der Messe in der Kapelle des heiligen Grabtuchs (S. Su-dario) im Dom von San Giovanni bei. Man geht dann