Druckschrift 
Kleine historische Schriften
Entstehung
Seite
177
Einzelbild herunterladen
 

Thronentsagung und Ende.

177

fahren Geschmack daran, während seiner Liebschaft mit derGräfin von Verrua. Diese bildschöne Dame nahm die Be-werbungen des Herzogs anfangs gar nicht günstig auf, undbenachrichtigte ihren Gemal davon, aber dieser achtete derSache nicht, indem er sie der Eilelkeit der Frau beimaß, welcheam Ende den wiederholten Anträgen nachzugeben genöthigtwar. Die Sache ist bekannt genug. Die Dame war liebens-würdig und gütig, und während der Zeit ihrer Gunst hat sieAndern nur genutzt wo sie konnte. Endlich floh sie nach Frank-reich, wohin sie mitnahm was sie an Geld und Kostbarkeitenbesaß, sandte jedoch dem Herzog zurück was sich an Kronjuwelenin ihren Händen befand. Später hat dieser nur mit seinerGemalin Umgang gehabt, und Gott hat ihre Ehe mit zahl-reicher Nachkommenschaft gesegnet. Zugleich widmete der Herzogsich nun ernstlich den Regierungsgeschäften und der Politik imVerfolgen seiner Interessen bei den verschiedenen Höfen. Soist er der scharfsinnigste aller europäischen Regierenden geworden,von denen keiner ihm in der Kenntniß der politischen Ange-legenheiten gleichkommt. Die vielen von ihm unternommenenKriege haben alle Kräfte des Staates in Anspruch genommen,sodaß er bei der Rückkehr in die Residenz den Glanz des Hofessehr vermindert, und im laufenden Jahre alle unnöthigen Aus-lagen abgeschafft hat, indem er das Geld für den Krieg undden Schatz zurücklegt. (Den Bemerkungen des Modenesen überdes Herzogs politische Gewandtheit entspricht das Urtheil,welches Lord Chesterfield in den bekannten Briefen an seinenSohn über die aus dessen Schule hervorgegangenen Diplomatenfällt. , Wo immer bei Höfen oder Congressen fremde Staats-männer versammelt sind, sind gewöhnlich die des Königs vonSardinien die fähigsten, die höflichsten und die mit denen ambesten auszukommen ist. In Turin findest Du somit guteMuster, Dich auszubilden.')

Es giebt drei Kronämter, Oberkämmerer, Oberstall-meister und Oberhofmeister. Dem ersten sind vierundzwanzigEdelleute als Kammerherren, gegenwärtig nur sechzehn beige-geben, dem zweiten vier erste Stallmeister welche mit dem

v. Reumont, Kl. hist. Schriften. 12