Druckschrift 
Kleine historische Schriften
Entstehung
Seite
144
Einzelbild herunterladen
 

144

Alessandra Strozzi.

welche erkannten, wie das Geschick des Staates nun an das Medi-ceischeHaus geknüpft, Piero unter den bestehenden Umständen durchnatürliche Mäßigung und mehrjährige Erfahrung der geeignetstewar, die Zügel in der Hand zu halten. Marco Parenti gabseinem in Neapel befindlichen Schwager Filippo ausführlicheNachricht von der bescheidenen Leichenfeier in San Lorenzo,und von jener vielbesprochenen Versammlung angesehener Bürgerin Sant' Antonio bei Porta S. Gallo, wo auf den RathMesser Tommaso Soderini's, des Bruders Niccolä's undSchwagers des Verstorbenen, das Festhalten an der FamilieCosimo's des Alten beschlossen ward. Ganz ohne Unruhensollte es doch nicht ablaufen, wie denn die Anfänge der Hege-monie Lorenzo's il Magnifico durch den mißglückten Aufstandin dem benachbarten Prato, welcher zahlreiche Hinrichtungenzur Folge hatte, und wiederholte Versuche des Losbrechens ausdem Schuldgefängniß getrübt wurden, wovon der letzte BriefAlessandra's vom 14. April 1470 redet.

In ihrem letzten Lebensjahr hatte sie noch die Freude, denjüngern Sohn vermält zu sehn. Lorenzo, der ihr mancherleiSorgen bereitet hatte, heiratete im Juni 1470 Antonia, dieTochter Francesco Baroncelli's. Die Trauungsceremonie fandin der Basilika S. Lorenzo statt; Lorenzo de' Medici undTommaso Soderini waren Zeugen, König Ferrante von Neapelhatte die Verbindung vermittelt. Die Baroncelli, seit dem17. Jahrhundert in Florenz erloschen, aber gleich anderenin Avignon fortgepflanzt, waren angesehen und wohlhabend;die Braut war hübsch und einnehmend. Im Herbste kehrteLorenzo nach Neapel zurück, wo sein dauernder Wohnsitzblieb, während der Bruder kam und ging. Eine Zeitlangwar von einer Heirat mit der vielumworbenen MariettaStrozzi die Rede gewesen, aber Filippo hatte sich entschiedendagegen geäußert, wie es scheint wegen des häßlichen Bankerottsdes Oheims, zu dem sie nach dem Tode der Mutter zog.Alessandra hatte nicht Ja noch Nein gesagt, da Für undWider ihr die Wagschale zu halten schienen. Sie wünschtedie Heirat des Sohnes, und bemerkte, bei den übrigen jungen