Eine florentimsche Edelfrau im 15. Jahrhundert. 8l>
verhängt. Es war ihm schmerzlich: er zählte zweiundsiebzigJahre und liebte Florenz. Aber niemand hörte ihn klagen.Zwei Jahre vor dem Medici starb er zu Padua, wo er, vonAllen geehrt, achtundzwanzig Jahre zugebracht, neunzig alt,ein Beispiel der Tugenden und des Elends der Zeiten. Auchdie Söhne Alessandra's, Kinder in den Tagen welche dieMedici an die Spitze brachten, unterlagen nun mit ihren Ver-wandten anderer Linie ähnlichem grausamen Geschick. Sie warennoch jung — Filippo zählte zur Zeit des neuen Decretsdreißig Jahre —, aber die Aussicht auf Wiedervereinigung inder Heimat war doch für Alessandra und die Ihrigen so gutwie vernichtet.
„ Ich bitte Dich so dringend ich kann", hatte sie acht Jahrevorher an Filippo geschrieben, „nach Niccolo's Rückkehr nachNeapel Dir auf ein paar Monate Urlaub zu erbitten, zumeinem Tröste, denn ich glaube, die Sehnsucht Dich wieder-zusehn tödtet mich. Ich hoffte nach Rom gehn zu können,zum Jubiläum und um Dich zu sehn, aber der Alessandrawegen (die jüngere Tochter war damals noch im Hause) war'snicht möglich. Hätte ich Dich nicht dort gefunden, so glaube ich,ich wäre nach Neapel gegangen, Dich zu sehn. So thue, wasin Deinen Kräften steht, von Niccolo Urlaub zu erhalten, undkomm' mich besuchen."
Die jahrelangen Lücken in der Correspondenz (vom Fe-bruar 1453 bis September 1458 fehlen z. B. die Briefe)lassen uns nicht beurtheilen, was die Erfüllung des sehnsüch-tigen Wunsches Alessandra's verhinderte. Bei dem unaufhör-lichen Wechsel der Magistrate wechselten auch persönliche Gunstund Ungunst unaufhörlich. Als die Lage sich zu bessern schien,wurde plötzlich mit Einem Schlage Alles anders.
„Geliebteste unglückliche Mutter", schrieb Filippo am18. November 1458 von Rom aus, „in meinem Letztenmeldete ich Euch, wie ich von dem inbetreff der Ausgewiesenendes Jahres 1434 erlassenen Beschlüsse vernommen hatte, undstark argwohnte, daß auch wir eingeschlossen wären, nicht wegenirgendeines Vergehens dessen wir uns schuldig gemacht, sondern