VIII.
Neues Cril für Alesfandra's Söhne.
Filippo Strozzi in Neapel und Rom.
Es waren nun manche Jahre vorübergegangen, seit dieMutter getrennt von den Söhnen lebte. Sie war über fünfzig,und Leid wie Sorgen mancher Art hatten ihrer Gesundheitsehr zugesetzt. Die Vermögensangelegenheiten waren, wie wirsahen, eine schwere Last. In wie außer der Familie hatte sietheilnehmende Freunde und Berather, aber bei ihrer Gewissen-haftigkeit übernahm sie doch allein die Verantwortung. Oftdrückte diese sie sehr. Die Lage war um so ungünstiger, dadie öffentlichen Dinge so geringe Stetigkeit verhießen, währendStaats- und Privat-Jnteressen so sehr miteinander zusammen-hingen, daß letztere plötzlich gefährdet werden konnten, ohnedaß es dem Einzelnen möglich gewesen wäre, sich gegen heran-nahende Gefahr zu schützen. Die Mediceische Partei war seitdem Jahr 1434 unbestritten am Ruder gewesen, hatte dieeinheimischen Gegner vernichtet, die auswärtigen zurückgewiesen.Seit dem zwanzig Jahre später zu Lodi abgeschlossenen, dieMehrzahl der italienischen Staaten umfassenden Frieden, welcherdie mit ihrem Beistand in Mailand geschaffene Machtstellungdes Hauses Sforza anerkannte, hatte sie von außen wenig zufürchten. Im Verlaus von mehr als zwei Decennien hattensich jedoch, wie es nicht anders möglich, innerhalb dieser Parteiselber manche Sonderinteressen geltend gemacht, während ander-seits Zeugnisse unabhängiger Ansichten und Meinungen, die