Eine florentinische Edelsrau im 15. Jahrhundert. 73
theilten dieser die Trauerkunde mit. „Ich will Dir nicht aus-sprechen", schrieb Elfterer an Lorenzo, „welches Herzeleid dertraurige Fall uns Allen gebracht hat, vor allen der armenMutter. Du magst es Dir selber vorstellen. Nun sie abererkannt hat wie das Geschick nicht abzuwenden ist, hat sie mitihrer großen Geisteskraft wieder Muth gefaßt und Ruhe ge-wonnen, und Gott für die vielen schweren Prüfungen gedankt,die sie so lange heimgesucht, daß sie in Wahrheit ein Spielballdes Schicksals zu nennen ist. Wahrlich ihr Verdienst bei Gottist groß, wenn sie in ihrem Innern mit der Geduld erträgt,die sie im Äußern an den Tag legt."
„Mein süßer Sohn", schrieb Alessandra am 6. Septemberan Filippo, „am 11. v. M. erhielt ich von Dir einen Briefvom 29. Juli, des Inhalts, daß mein theurer und geliebterMatteo krank sei. Da Du nicht hinzufügtest was ihm fehlte,empfand ich großen Schmerz nebst großer Besorgnis. Ichrief Francesco (Strozzi) und sandte ihn zu Matteo StrozziGiorgio's Sohn, worauf ich von Beiden vernahm, er leide amWechselfieber, was mich beruhigte, da es keine tödtliche Krank-heit ist, falls nichts anderes hinzutritt. Von Dir hörte ichdann die Krankheit sei im Abnehmen, sodaß meine Besorgnissich minderte, obgleich sie nicht schwand. Seitdem weiß ichnun, wie es am 23. August Dem, welcher ihn mir geschenkt,gefallen hat ihn wieder zu sich zu rufen, in voller Besinnungund Begnadigung, und mit allen Sacramenten die sich füreinen guten und getreuen Christen gebühren. Es ist die größteBitterkeit, eines solchen Sohnes beraubt zu werden, und icherachte es, abgesehen von der Sohnesliebe, einen schweren Ver-lust, der euch, meine beiden Überlebenden trifft. Ich preiseden Herrn und danke Ihm für alles was sein Wille ist, dennich weiß, Gott hat erkannt, daß es die rechte Zeit war fürsein Seelenheil, was mir dadurch bestätigt wird, daß Du mirschreibst, wie er dem harten und bittern Tode so recht vor-bereitet entgegengegangen ist. Und obgleich ich in meinemHerzen einen Schmerz empfinde wie nie zuvor einen ähnlichen,haben doch zwei Trostgründe auf mich gewirkt. Der erste,