Eine florentinische Edelfrau im 15. Jahrhundert. 59
Der Unterricht im Rechnen hat ausgehört und er lernt jetztschreiben. Im kommenden Winter beabsichtige ich ihn in dieBank zu schicken, dann wird sich zeigen was er thun will.Gott verleihe ihm, was ihm noththut."
Die Mutter hatte Recht, indem sie bemerkte, Marco Pa-renti fühle sich beglückt durch die Aussicht auf den Besitz ihrerTochter. Am 19. August richtete dieser an seinen künftigenSchwager Filippo folgendes Schreiben: „Theuerster, gleicheinem Bruder. Durch die Deinigen hast Du ohne Zweifelvernommen, daß es Gott gefällig ist, daß Deine SchwesterCaterina meine Ehefrau wird, meinem Wunsche gemäß, zuseiner Ehre, dann zu unser Beider Heil. Wie ich bei eurenhiesigen Verwandten gethan, glaube ich eine Pflicht zu erfüllen,indem ich euch an eurem gegenwärtigen Aufenthalt, von dieserbevorstehenden Heirat Kunde gebe, mit dem aufrichtigen Wunschebaldiger persönlicher Bekanntschaft. Ich würde viel zu schreibenhaben, wollte ich ausdrücken, wie die Verschwägerung mit euchmir lieb ist, in Betracht der Eigenschaften, welche eure Ange-hörigen auszeichnen, und der auf Dich und Deinen Brudergesetzten Hoffnungen und Erwartungen. Obgleich alles, wasich von dem Mädchen sagen könnte, unter der Wahrheit bleibenwürde, wage ich heute nicht von ihr zu reden, denn man möchtemir entgegnen, Liebe täusche mich. So beschränke ich michdarauf, zu sagen, daß ich mir nichts Trefflicheres wünschenkönnte. Nur eins quält mich: das Bewußtsein, euch kein Ver-wandter sein zu können, wie ihr ihn verdient. Wie ich nunaber bin und was immer ich vermag, kann ich nicht bessereAbsicht, noch herzlichere Zuneigung zu euch hegen, als der Fallist. In allen hiesigen Vorkommnissen, und wo ich persönlich,oder mittelst der Meinigen euch dienen kann, sollt ihr meinernicht schonen, denn keine Mühewaltung für euch kann mirschwer erscheinen. So schreibe ich Dir wie Deinem Bruder.Euren Oheimen (Niccolö und seine Brüder waren Großvater-Brudersöhne) schreibe ich für jetzt nicht; ist einer von ihnenanwesend, oder schreibst Du, so empfiehl mich ihnen, denn wieich mich Dir erboten, erbiete ich mich ihnen, ja mehr, wenn