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Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
Entstehung
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Anlagen.

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Anlage 10

zu S. 179.

Auszüge

aus drei Schreibeil des Venezianischen Generalkapitäns Morosini anden Päpstlicheil Generalissimus Rospigliosi.*)

Nr. 1.

Ohne Datum, anscheinend von Ende Mai 1669.

. . . Der Tod des General-Proveditors Cattarino Cornaro macht es mirunmöglich, Ew. Excellcnz mit meinem Geschwader entgegenzufahren, da ich dieVertheidigung der Stadt jetzt ganz allein leiten muß. Ich theile Ihnen daherschriftlich den Stand der Dinge hier mit . . .

Nachdem sich bei den Türken die Nachricht von der baldigen Ankunft derHülfsflotten Frankreichs, des Papstes und des Malteserordens verbreitet hatte,setzten sie alle Kräfte daran, sich der beiden breschirten Bastione von Sabioneraund San Andrea zu bemächtigen und damit den Platz vor der Ankunft der Ver-stärkungen zu nehmen. Als sie aber erkannten, daß bei Sabionera die Schwierig-keiten zu groß seien, liehen sie hier mit dem Angriff nach, wandten sich aber umso heftiger gegen San Andrea. In der richtigen Annahme, daß hier der größteund schnellste Erfolg durch den Minenkrieg zu erzielen sei, gingen sie mitsieben Hauptgängen und zahlreichen Verzweigungen unter dem Bastion vor.Allein auch auf unserer Seite blieb man nicht müßig, sondern arbeitete demFeinde mit allen Kräften entgegen. So entwickelte sich hier ein Minenkriegvon einer Ausdehnung und Zähigkeit, wie wir ihn noch an keiner anderenStelle erlebt haben. Obwohl unsere Mineure jeden Schritt des Bodens ver-theidigten und des Feindes Arbeiten hundertmal zerstörten, gelang es diesemdoch dank seiner Ueberzahl, immer wieder neue Gänge zu graben und schließ-lich bis in die Mitte des Bastions vorzudringen. Zwar hoffen wir ihn auchvon dort zu vertreiben, allein in diesem Augenblick ist nur noch das Orillondes Bastions in unseren Händen. Leider nimmt dabei die Zahl unserer Truppenvon Tag zu Tag ab, weshalb wir mit Sehnsucht die Hülfe erwarten, die unskommen soll. Glücklicherweise sind aber auch bei den Türken die Streitkräftesehr im Abnehmen, und ihre Hoffnungen beruhen ganz auf den von dem Sultanversprochenen Verstärkungen, von denen übrigens neuere Nachrichten besagen,daß sie ausbleiben werden. Zwar wurde der Kapudan-Pascha mit 35 Galeerennach Chios gesandt, um eine dort gesammelte Armee nach Canea zu führen,allein als er erschien, waren die meisten Soldaten entflohen. Auch zur Seesind die Streitkräste der Türken nicht bedeutend, da sie im vorigen Jahre denFehler begangen haben, ihre geschulten Matrosen vor der Festung Candia zu

*) Diese sowie die folgenden Auszüge aus den Schreiben der christlichen Führerbei Candia sind keine wörtlichen Uebersetzungen, weil solche bei dem wunderlich geschraubten,gezierten und ineinandergeschachtelten Stil, der wie den Deutschen so auch den ItalienischenSchriften des 17. Jahrhunderts eigen ist, unverständlich sein würden. Sie geben dahernur den Sinn wieder, unter möglichst getreuer Anlehnung an das Original.

Kriegsgeschichtliche Einzelschritte». V. (Heft 2S.) 8