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Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
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10. Ereignisse bei Candia im Sommer 1669.

Waldeck, längst gefallen war und von den Mannschaften fast zwei Drittelauf den Wällen Candias den Tod gefunden hatten.*)

Es lag nunmehr auf der Hand, daß mit den noch vorhandenen schwachenKräften eine weitere Vertheidigung der Festung aussichtslos geworden war.Am 27. August abends versammelte daher Morosini einen Kriegsrath sämmt-licher Venezianischen Generale und im Generalsrang stehenden Offiziere, aufdem schweren Herzens der Beschluß gefaßt wurde, die Festung den Türken zuübergeben. Bevor jedoch die Verhandlungen hierzu eingeleitet würden, sollte demGeneralissimus Mittheilung davon gemacht werden in der Hoffnung, daß diedrohende Kapitulation ihn vielleicht veranlassen würde, noch einmal eine gemein-same Thätigkeit aller christlichen Streitkräfte zu versuchen. Im Falle sie jedochnicht zu Stande käme, wollte man Rospigliosi bitten, wenigstens so lange mitden Hülfsflotten bei Stantia zu verweilen, bis die Uebergabe der Stadt erfolgtsei, weil man fürchtete, die Türken würden versuchen, die abziehenden Vene-zianischen Schiffe zu überfallen, wenn sie allein zurückkehrten. Morosinirichtete daher am anderen Morgen ein Schreiben in diesem Sinne an Rospi-gliosi, übersandte ihm eine Abschrift des Protokolls und schloß mit denWorten: . . . Schon sind die Kapitulationsverhandlungen eingeleitet, abersie können noch rückgängig gemacht werden, wenn Ew. Excellenz noch einmalIhr ganzes Ansehen einsetzen, um die Franzosen zur Hergabe von nur3000 Mann zu bewegen. Mit diesen mache ich mich anheischig, die Festungso lange zu halten, bis neue Hülfe eintreffen kann. Erhalte ich die Mann-schaften aber nicht, so ist keine Rettung mehr möglich. Soeben kommt auchder Führer des Päpstlichen Bataillons und meldet mir, seine Leute wolltennicht weiter dienen, da sie keine Lust hätten, sich für die ausgestandene Müheund Noch von den Türken den Kopf abschneiden zu lassen. So weit ist esalso schon gekommen! Wenn die Nachwelt jemals im Stande sein wird, sichein Bild von dem Zustande der Festung, von unseren Leiden und der gänz-lichen Hoffnungslosigkeit auf Besserung zu machen, so wird sie auch begreifen,warum wir unterliegen müssen . .

Die Antwort Rospigliosis auf diese Aufforderung ist bezeichnend für dieArt und Weise, wie er seine Aufgabe als Generalissimus auffaßte. Sie be-stand in einem höflichen Schreiben, worin er die Erklärung abgab, er müsseim Namen des Papstes den Beschluß des Venezianischen Kriegsrathes zurKapitulation mißbilligen, sei aber nicht im Stande, zur Rettung der Festungirgend etwas zu thun. Die Venezianer möchten der Gnade Gottes ver-trauen, der sie gewiß nicht im Stich lassen würde. Er selbst sehe sich durch

*1 Bei ihrem Wegzug von Candia zählten die Bayern zwar von 1600 noch 913 Köpfe,die Braunschweiger aber von 2400 nur noch 720. Auch auf der Ueberfahrt nach Venediggingen noch sehr Viele zu Grunde, so daß das Bayerische Regiment mit nur 230 Mannin der Heimath anlangte.