10. Ereignisse bei Candia im Sommer 1669.
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Ludwig XIV. von vornherein die Anwesenheit seiner Streitkräfte in Candiamindestens bis zum Herbst des Jahres 1669 wünschte, ergiebt sich auszahlreichen Aeußerungen in dem brieflichen Verkehr zwischen den maßgebendenPersönlichkeiten. So schrieb schon am 15. Juni der Kardinal-Staatssekretäraus Rom an den Päpstlichen Generalissimus: „Der hiesige VenezianischeGesandte hat Seiner Heiligkeit angezeigt, der König von Frankreich habe seineGenerale bei Candia angewiesen, bis zum Oktober dort zu verbleiben. Erbat um einen gleichen Befehl für unsere Flotte. Der Papst hat ihm indeßerwidert: es sei selbstverständlich, daß die unter Ihrem Befehl stehendenGaleeren nicht vor den anderen zurückkehren würden..."
Am 17. August theilte der Nuntius Trotti aus Venedig in einemchiffrirten Schreiben Folgendes mit: „. . . Der Courier aus Paris ist zurück.König Ludwig lehnt es zwar ab, jetzt gleich noch eine zweite Truppen-abtheilung nach Candia zu schicken, da er selbst von zu zahlreichen Feindenumgeben sei, er habe aber dem Herzog von Beaufort befohlen, so langedort zu bleiben, bis Alles zurückerobert oder ein ehrenvollerFriede geschlossen wäre, lieber diese Antwort ist man hier sehr erfreut,denn man hatte gefürchtet, der König würde zwar noch mehr Truppen nachCandia senden, dafür aber versuchen, die Freiheit der Republik oder ihrensonstigen Besitz zu bedrohen."
Noch deutlicher sprechen folgende Stellen aus dem Briefwechsel zwischenden Höfen von Rom und Paris: Am 31. August 1669 schrieb Lionne ausSt. Germain an den Kardinal-Staatssekretär: „Der König, der stets dieRücksicht auf Seine Heiligkeit im Auge behält, läßt nicht nach in seinem Eifer,dieses Bollwerk der Christenheit zu retten, sei es, daß er fortfährt, wennnöthig, den Rest seiner Armee dort zu opfern, sei es, indem er schon jetztdaran denkt, selbst wenn die Truppen ganz zu Grunde gegangen wären,andere, sowie einen neuen Führer mit Beginn des Winters an ihre Stellezu setzen..."
In der That fand in Paris in den ersten Tagen des September, nach-dem die Nachricht über das Mißlingen des Ausfalls der Französischen Truppenvom 25. Juni angekommen war, ein Ministerrath statt, worin beschlossenwurde, die jetzt in Candia befindlichen Streitkräfte bis Ende November dortzu belassen und dann durch neue Truppen unter dem Marschall von Bellefont*)zu ersetzen. Dieser Beschluß ergiebt sich aus mehrfachen Meldungen derNuntien in Paris und Venedig nach Nom und vor Allem aus zwei Briefen,die der König selbst und sein Minister Lionne nach Rom richteten, als bereits«"die Rückkehr der Französischen Armee und Flotte aus Candia bekannt ge-worden war. Am 23. September nämlich schrieb Ludwig XIV. aus Cham-bord eigenhändig an den Papst:
»Vrss Laint-IVrs! Vostrs Laiutsts aura ächjä pü s^avoir purIss äspsssllss äs son nonss 1s ssnsikäs äspkaisir, <zus g'sus sn rs-
*) Bellefont sollte ebenfalls als in Diensten des Papstes stehend angesehen werden.