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Der Kampf um Candia in den Jahren 1667 - 1669
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6. Die Belagerung von Candia im Jahre 1668.

syrische Fußsoldaten, sowie 1000 Mineure (meist Armenier, die sich hierfürals besonders geschickt erwiesen), nach Candia geschafft. Erst Anfang Junieröffnten die Türken von Neuem ihre Laufgräben. Wie bereits erwähnt,hatten sie den Angriff gegen die Bastione Panegra, Betlem und Martinengoaufgegeben und sich dafür gegen San Andrea und Sabionera gewendet. Aufbeiden Pnnkten erlangten sie binnen Kurzem ein entschiedenes artilleristischesUebergewicht. Der Großvezir hatte während des Winters in Canea undNeu-Candia Geschützgießereien errichtet und diejenigen Kanonen, die meist inFolge Ausbrennens des Zündloches unbrauchbar geworden waren, umgießenlassen, und zwar auf die bei den Venezianern üblichen Kaliber, um die50 000 aus der Festung herausgeschossenen Vollkugeln zurückschießen zu können.Englische und Holländische Kaufleute hielten es für nicht unter ihrer Würde,den Ungläubigen fortdauernd Geschützmaterial, Munition und andern Kriegs-bedarf gegen Bezahlung zu liefern, so daß diese hieran niemals Mangellitten. Auch erwiesen sich die Türkischen Bedienungsmannschaften als vielgeschickter und zuverlässiger als die ihrer Gegner. Die Geschütze schossentheils Vollkugeln von Stein oder Eisen, theils Bomben und Granaten bis400 Pfund, die mit Holzzündern in Röhrenform versehen waren.

Neben den Geschützen wurden auch noch vielfach Handbomben und Hand-granaten verwendet. Die Bomben waren 50 bis 70 Pfund schwer. EinMann nahm die Bombe auf die Schulter, ein zweiter zündete sie an, undBeide vereint warfen oder rollten sie dann in die Laufgräben. Die Hand-granaten konnten von einem einzelnen Mann mit der Hand geworfen werden,oft geschah dies auch vermittelst einer Schleuder. I. B. Scheither sprichtihnen eine große Wirkung im Festungskriege zu und behauptet, daß der Fort-gang der Belagerungsarbeiten bei Candia durch ausgiebigere Verwendungdieses Mittels durch die Vertheidiger bedeutend hätte verzögert werden können:Denn so lang wir täglich 500 und mehr Handgranaten zu verwerffenhatten, so konnte der Feind mit seiner Arbeit wenig fortkommen, so daß erin etlichen Wochen nicht viel Ruthen lang avanoiret ist und wenig eroberthat. Allein hierin war es auch versehen und Tullns in der Bratpfannen;bey uns seynd die Handgranaten auffs letzt so rar als Zucker worden, undhaben wir keine mehr gehabt, als welche uns vom Feind sind zugeworffen,aber nicht zersprungen . . . Die Türcken aber haben wol zehen gegen unserereine Handgranaten und gantz schwartz wiederumb hergegen geworfen undmanchem dadurch das Liecht ausgelöschet. . ."

Weit geringere Erfolge als die Türken erzielten die Venezianer mitihrer Artillerie. Es fehlte zwar nicht an Geschützen, allein sie waren zumgroßen Theil unbrauchbar/') und da sämmtliche Einrichtungen für den Neu-guß der Rohre, Anfertigung der Lasteten, Räder, Munition u. s. w. sich in

*) Von den im Ganzen vorhandenen 340 Stück waren im Jahre 1668 nur noch90 schwere Festungskanonen und -Mörser, sowie 110 kleinere Geschütze verwendbar.