5. Ereignisse zur See im Jahre 1668.
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3. Ereignisse zur See im Jahre 1668.
Bevor in dem Bericht über die Thätigkeit der vereinigten christlichenFlotte im Sommer 1668 fortgefahren wird, ist es nöthig, die bisherigenEreignisse zur See in diesem Jahre nachzuholen. Seit Eröffnung des Feld-zuges im Frühjahr 1668 hatten auch die Türken die größten Anstrengungengemacht, um das Belagerungsheer vor Candia zu verstärken und besser aus-zurüsten. Bisher waren sie aber im Besitz nur eines Hafens gewesen, dersich zum Ausschiffen von Truppen und Kriegsmaterial brauchbar erwies,nämlich Canea. Von hier mußte dann Alles 128 üin weit auf beschwerlichenWegen nach Candia geschafft werden, ein Uebelstand, der sich namentlich inder schlechten Jahreszeit bemerkbar machte und die Fortschritte der Belage-rung ungemein verzögerte. Der Großvezir ließ daher die nur vier Stundenvon dem Türkischen Lager vor Candia in der Nähe des Caps Sonzontosbefindliche kleine Bucht von San Pclagio befestigen und mit Landungs-vorrichtungen versehen in der Absicht, hier einen Theil der Zufuhren auszu-schiffen. Die Stelle war aber insofern ungünstig gewählt, als sie sich zunahe dem Wirkungsbereich der bei Candia liegenden Venezianischen Kriegs-schiffe befand. Die Flotte der Republik hatte nämlich den Winter theils imHafen dieser Festung theils in den geschützten Buchten der nur 12 Seemeilennördlich davon gelegenen Insel Stantia (Dia) in desarmirtem Zustand zu-gebracht. Als nun die Absicht des Großvezirs bezüglich San Pelagios durchUeberläufer bekannt wurde, ließ Morosini 7 Galeeren in Stand setzen undbemannen und sandte sie unter dem Kommando des provsckitors orciinarioä'armata*) Lorenzo Cornaro aus, um vor San Pelagio zu kreuzen und jedeZufuhr der Türken dorthin abzuschneiden.
Die geringe Zahl dieser Schisse gab nun dem Großvezir den Plan ein,einen Handstreich gegen sie zu versuchen und, wenn dieser gelungen, sich sofortauch der Insel Stantia zu bemächtigen, dort Batterien zu errichten und damitden Aufenthalt der christlichen Flotte in den schützenden Buchten der kleinenInsel unmöglich zu machen. Er würde den Venezianern hierdurch einen umso größeren Schaden zngefügt haben, als inzwischen der größte Theil desHafens von Candia, namentlich der Eingang dazu, wie bereits erwähnt, voneigens zu diesem Zweck erbauten Türkischen Batterien unter Feuer genommenworden war und daher nur noch wenig Schutz gewährte. Wäre es denTürken nun auch noch gelungen, Stantia in Besitz zu nehmen, so war dieVenezianische Zufuhr nach Candia so gut wie abgeschnitten, und gerade aufder Möglichkeit, stets Truppen und Heeresbedarf nach Belieben dort hinzu-schasfen, beruhte ja hauptsächlich der lange Widerstand der Festung.
*) Soviel wie Vize-Admiral.