2. Wiederbelebung des Krieges im Frühjahre 1667,
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Die Festung Candia*) liegt auf der Nordseite der gleichnamigen Inselunmittelbar am Meere in einer etwa 4 lem langen und ebenso breitenfruchtbaren Ebene. Diese wird nördlich begrenzt durch das Meer, westlichdurch den Fluß Gioffiro, östlich durch den Bach Cazaban mit einigen vor-geschobenen Höhen und südlich durch die Vorhügel des Berges Jda**), derdie höchste Erhebung der Insel bildet und dessen Gipfel die meiste Zeit desJahres mit Schnee bedeckt ist. Die Stadtumfassung hatte die ungefähre Gestalteines Halbkreises, dessen Sehne das Meer bildete. Hier lagen zwei Häfen; dereine, Porto di Tramata genannt, war nur für Kähne und kleine Handelsschiffebestimmt, die auf das Land gezogen wurden, und hatte keine künstlichen Schutz-mittel. Der andere, der Kriegshafen, Porto delle Galere, war dagegen durchzwei verschieden lange Molen geschützt und soweit vergrößert, daß er dreißiggroße Schiffe fassen konnte. Am Ende der längeren Mole erhob sich ein aufeinen Felsen gebautes kleines Kastell, das den Eingang in den Hafen schützteund sperrte. Im Laufe der Belagerung gelang es den Türken, von ihren vordem Bastion Sabionera errichteten Batterien aus den Eingang zu diesemHafen unter ständiges Geschützfeuer zu nehmen, so daß er nur noch bei Nachtund auch dann nur mit Gefahr benutzt werden konnte. Die Belagerten zer-störten daher ein Stück der größeren Mole und schufen so einen zweiten sicherenEingang, der aber der geringen Tiefe wegen nur für Kähne brauchbar war.Größere Schisse mußten daher ihre Frachten umladen. Unmittelbar am Hafenlagen die ausgedehnten Arsenale und Werften zum Bau von Schiffen aller Art.
Der Erbauer der Festung Candia war der Veroneser Architekt SanMicheli***) gewesen, der als der Erfinder der Bastione angesehen wird. Ergab der Stadt eine geschlossene Umwallung mit 5 vollen und 2 halbenBastionen, deren Flanken hinter Orillons zurückgezogen waren. In diesenlagen gemauerte Geschützkasematten in mehreren Stockwerken übereinander.Der Graben war trocken aber sehr tief und größtentheils in den Felsen ge-sprengt, die Breite wechselnd von 6 bis 10m; die Eskarpe war gemauert,die Kontreskarpe dagegen nicht. Innerhalb der meisten Bastione erhob sichein mit Batterien versehener Kavalier zur Beherrschung des Vorgeländes.Sämmtliche vollen Bastione und die meisten Kurtinen waren durch vorgelagertekleinere Werke (Halbmonde, Hornwerke, Naveline u. s. w.) gegen unmittel-baren Angriff geschützt. Am schwächsten waren die am Meeresufer gelegenenHalbbastione Sabionera (Nr. 7 des Planes) und San Andrea (Nr. 40 desPlaness.ch) Da ihre Facen vom Meere her gar nicht und von der anderenSeite nur unvollkommen slankirt werden konnten, so brauchte sich der An-greifer gegen sie nur nach vorne zu sichern. Sie besaßen aber eine besondere
*) Siehe den Plan der Festung.
**) Der Mons Jovis der Alten.
***) San Micheli lebte von 1484—1559. Er hatte auch die Städte Parma, PiacenzaUnd Verona befestigt.
7 ) Siehe auch die Textskizze dieser Bastione zu Seite 155.