Druckschrift 
Der Kampf der 38. Infanterie-Brigade und des linken deutschen Flügels in der Schlacht bei Vionville - Mars la Tour am 16. August 1870
Entstehung
Seite
66
Einzelbild herunterladen
 

66 III. Die Aufnahme der Brigade Wedel! durch Kavallerie und Artillerie rc.

der Kavallerie-Division Clarembault voll eingesetzt wurden, hatte die PreußischeKavallerie, deren Eskadrons etwas stärker als die Französischen waren, indem Hauptkampfe einige hundert Säbel mehr in das Gefecht gebracht. Wennauch zuzugeben ist, daß es seine Schwierigkeiten hatte, die frischen Kräfte überdie Thalengen zu bringen, als sich diese mit den zurückdrängenden Reiter-schaaren füllten, so ist der Kavallerie-Division Clorembault wohl nicht mitUnrecht von Französischer Seite der Vorwurf gemacht worden, daß sie geradekeine Eile gezeigt habe, den angegriffenen Regimentern zu Hülfe zu kommen undderen völlige Niederlage abzuwenden. Einige frische, rechtzeitig eingesetzteEskadrons hätten dem Kampfe wohl eine andere Wendung geben können, denndie Preußische Kavallerie war bis auf den letzten Mann verausgabt, und dasFehlen einer Reserve wurde von ihrern Führern störend empfunden, als siesich den ersten frischen Kräften des Feindes gegenüber sahen und sich nun be-mühen mußten, ihre weit verstreute, erschöpfte Mannschaft zu sammeln. DerEntschluß zur Räumung der erstrittenen Hochfläche kann als eine Nachwirkungdieses Eindrucks betrachtet werden, wenngleich der bestimmende Grund dazuin der starken Erschöpfung von Mann und Pferd zu suchen ist, wie sie,wenigstens vorübergehend, nach jeder Attacke mit längerem Handgemenge ein-treten muß. Eine zwingende Ursache zum Zurückgehen war in dem Verhaltendes Gegners nicht gegeben; es konnte abgewartet werden, was er that. DasVerbleiben der Preußischen Kavallerie bei Ville sur Aron hätte das Gefühlder erlittenen Niederlage beim Feinde erheblich verstärkt: erklärt sich doch derzögernde und schwächliche Gebrauch der Dragoner-Brigade Maubranches amersten durch die Eindrücke, die der Anblick des in voller Flucht über die Thal-eugen zurückfluthenden Reiterstromes hervorrief.

Das Gefecht trägt das Gepräge eines Kampfes in einzelnen Gruppen,wie er sich aus der schmalen Front der beiden vordersten, durch einen großenZwischenraum getrennten Preußischen Regimenter ergiebt. Das gestattet demGegner Ueberflügclung und Einwirkung auf die Flanke, eine Erscheinung, diebei einer mehr einheitlichen Verwendung der Deutschen Kräfte zu vermeidengewesen wäre. Rechtzeitig und selbständig aber wenden sich die ein-zelnen Deutschen Eskadrons unter der geschickten und umsichtigenLeitung ihrer Führer den Aufgaben zu, welche die schnell vorübergehendenAugenblicke des Reiterkampfes an sie stellen: sei es Abwehr einer Umfassung,sei cs Eingreifen an Punkten, wo der Sieg schwankt, oder wo ein voller Erfolggegen die Flanke des Feindes winkt.. Im Gegensätze dazu sehen wir bei denFranzösischen Führern ein Abwarten von Befehlen,^) das ihnen die Aus-sicht auf einen, wenn auch vielleicht nur vorübergehenden Erfolg benimmt.

Die größten Verluste traten auf beiden Seiten da ein, wo eineMinderheit gegen eine Mehrheit zu kämpfen hatte, oder wo es dem Gegnergelang, die Flanke zu fassen. So verlor die 4. Eskadron des 2. Garde-Dragoner-Regiments in dem Kampfe gegen die Chasseurs d'Afrique über die

Vergl. Anhang Nr. 45.