II. Der Angriff des Generals v. Schwartzkoppen.
37
der rechte Flügel des Feindes nordöstlich Mars la Tonr stand. Dies wirdin seinem Gefechtsberichte mit dem Hinzufügen hervorgehoben: „Man konntenicht erkennen, welche bedeutenden Kräfte dem Feinde noch in dieser vorzüg-lichen Stellung zur Verfügung standen." Der Stab der 19. Division „rechnetefest darauf, noch diesseits der großen Schlucht an der Trvnviller Waldeckemit den Franzosen zusammenzustoßen".*)
General v. Schwartzkoppen rief nunmehr seine Batterien, denen er —wie Oberst Schaumann in seinen „Erlebnissen" mittheilt — einige Zeit zuvorgestattet hatte, die schwer bedrängte Preußische Artillerie auf der Höhe westlichVionville zu unterstützen, zurück und befahl ihnen, zur Bekämpfung der feind-lichen Artillerie vorwärts Mars la Tour in Stellung zu gehen. Zugleichwies er das Regiment Nr. 57 an, in der mit einem ungefähren Abstandevon 500 m südlich des Dorfes entlang ziehenden Mulde vorzurücken.
Während der Stab der 19. Division auf den Höhen südlich Mars laTour beobachtend hielt, ging die Meldung ein, daß die 20. Division dieTrvnviller Büsche wieder besetze. Gleichzeitig bemerkte man — es war4^/s Uhr nachmittags**) — die geschlossenen Jnfanteriemassen dieser Divisionim Vorgehen von Trvnville auf die Büsche und ihre Batterien in Stellungenan der großen Straße. Offenbar hatte es der Feind nicht gewagt, den voreiner Stunde angesetzten Angriff auf die äußerste linke Flanke der DeutschenSchlachtlinie fortzuführen. General v. Schwartzkoppen giebt seiner ausAngriffsbefehl, Meldungen und Augenschein gewonnenen Auffassung der Lagein folgenden Worten Ansdruck: „Der Unterzeichnete ging in diesem wichtigenMomente von der Ansicht aus, daß nach dem stundenlangen Ringen, von demman gehört, und das man aus der Entfernung beobachtet hatte, die rück-sichtsloseste Einsetzung auch der letzten Reserve den schwankendenErfolg auf unsere Seite wenden müsse, und daß solche daher ebensonothwendig als gerechtfertigt sei. Man ahnte nicht, daß so bedeutende Kräftenoch vorhanden, über welche der Feind rückwärts seines bis jetzt erkennbargewesenen rechten Flügels verfügen konnte."
Der Generalstabsvffizier der Division hat zur Erläuterung der Auf-fassung seines Kommandeurs Folgendes nicdergeschrieben:
„Die Lage, wie sie sich in diesem Augenblicke dem nahe der Südosteckevon Mars la Tour haltenden Stabe der 19. Division nach Allem, was manbis jetzt gehört hatte und sehen konnte, darstellte, war folgende:
Das III. Korps hält die Schlacht mit höchster Anstrengung in derFront nach Osten; sein linker Flügel ist durch eine Umfassung von Nordenher bedroht, gegen welche die Trvnviller Büsche den Stützpunkt bilden. Der-selbe wird noch von Theilen der Brigade Lehmann gehalten, der aber bereitsTheile der 20. Division zu Hülfe gekommen sind. Von den Höhen un-
*) Vergl. Anhang Nr. 10.
**) Vergl. S. 26.