46
■positiven Wissenschaft, mitarbeiten will. Das implicirt keine gewalt-same Zerstörung noch einen unmittelbaren Bruch. Es handelt sichfür den Christen nicht darum, das Christenthum aufzugeben, nochfür den Moslem, den Islam aufzugeben. Es handelt sich für die auf-geklärten Christen und Mahomedaner darum, zu jenem Standpunktewohlwollender Indifferenz zu gelangen, auf welchem der religiöse•Glaube s harmlos wird. Das hat sich nahezu in einer Hälfte derchristlichen Länder vollzogen. Hoffen wir, dass dasselbe für denIslam geschehen wird. Jenen Tag werden wir, der Scheik und ich,natürlich mit eiumüthiger Freude begrüssen.
Ich habe nicht gesagt, dass sämmtliche Moslemin, ohneUnter--schied der Rasse, unwissend sind und es stets bleiben werden. Ichhabe gesagt, dass der Islam der Wissenschaft grosse Schwierigkeitenbereitet und dass es ihm unglücklicherweise seit fünf oder sechsJahrhunderten gelungen ist, sie in den von ihm beherrschten Län-dern fast vollständig zu unterdrücken, was für diese Länder eineUrsache ihrer äussersten Schwäche ist. Ich glaube in der That,dass die Wiederbelebung der mahomedanischen Länder nicht durchden Islam vollbracht werden wird, sondern durch die Schwächungdes Islam, wie denn auch der grosse Aufschwung der christlich ge-nannten Länder mit der Zerstörung der tyrannischen Gewalt derKirche des Mittelalters begonnen hat. Einige Personen haben inmeinem Vortrag einen gegen die Bekenner der mahomedanischenReligion nicht eben wohlwollenden Gedanken wahrgenommen. Dasist ein Irrthum. Die Moslemin sind die ersten Opfer des Islam.Mehrere Male habe ich während meines wiederholten Aufenthaltesim Orient bemerken können, dass der Fanatismus von einer kleinenAnzahl gefährlicher Menschen ausgeht, welche die andern durchden Schrecken zur Beobachtung der religiösen Formen anhalten.Den Muselmann von seiner Religion befreien, das ist der beste Dienst,den man ihm leisten könnte. Wenn ich jenen Bevölkerungen, unterdenen so viele gute Elemente vorhanden sind, die Befreiung vondem Joche wünsche, das auf ihnen liegt, so glaube ich nicht, ihnenetwas Böses zu wünschen. Und da der Scheik Djemmal Eddin will,dass ich gleiche Waage und gleiches Gewicht für die verschiedenen