246 Fünfzigster Brief.
ist, also die Wirkung des Mondes auf den näch-sten und den entferntesten Theil der Erde weitverschiedener ausfällt, als die Wirkung derSonne, welche für alle Puncte der Erde derGleichheit viel näher kömmt.
Jene Betrachtungen setzen uns nun völligin Stand, die Erscheinungen der Fluth undEbbe zu erklären. Da beim Neumonde undVollmonde die von der Sonne und vom Mondebewirkte Fluth zusammentrifft, so muß danndas Anschwellen des Wassers in den Punctender Erde, welche Sonne und Mond grade übersich oder unter sich sehn, am stärksten oder dieFluth am höchsten sein; daraus aber folgt auchzugleich, daß in I-I und I. wo Mond undSonne im Horizonte erscheinen, das Wassermehr als zu jeder andern Zeit weggezogcn ist,indem es sich in O und L sehr angehauft hat,oder daß zur Zeit des Vollmondes die Ebbein H und I niedriger als zu andrer Zeit seinmuß. Da die Erde sich um ihre Axe dreht,so rücken allmählig, wahrend Mond und Sonnenoch nahe bei einander stehen, andre Puncteder Erd-Oberfläche nach O, und die Fluth-welle, wenn ich mich so ausdrücken darf, läuft