Druckschrift 
1 (1811)
Entstehung
Seite
125
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Fünfzehnter Brief. 125

der tiefsinnigste Forfcher fühlt oft sein Augeunwillkürlich abgezogen von seinem Gegenstände,und hingezogen zu einer freudigen, oft fast an-dachtsvollen Bewunderung der Einfachheit undZweckmäßigkeit, die er in den Gesetzen der Na-tur bemerkt. Wie ganz anders geht es unsin der moralischen Welt! Hier betäuben tau-send schreiende Disharmonien unser Ohr, undes gelingt dem grübelnden Verstände nicht, zuentdecken, warum alles so sein muß, war-um alles so sein darf, wie es doch wirklichist. Seit Jahrtausenden hat man gefragt undgezweifen, ob auch die moralische Welt unterden Gesetzen eben der Ordnung und Weisheitstehe, die wir in der willenlos wirkenden Narurerkennen, und noch täglich findet der Zweiflerneuen Anlaß zu dieser Frage. Und womit kön-nen wir uns trösteil? Keine Philosophiebeantwortet unsre Fragen, keiner ist es nochgelungen, zu zeigen, daß diese Nebel zum Heiledes Ganzen unentbehrlich sind; nur eineskann sie uns lehren, nämlich die Speculatiolt-aufzugeben, uns nicht mir der unnützen Frage,was diese Nebel zur Harmonie des Ganzen bei-tragen, aufzuhalken, sondern bloß auf uns selbst