Druckschrift 
1 (1858)
Entstehung
Seite
445
Einzelbild herunterladen
 

XX. Bernhard I. 1130-1153.

445

land verwaltete, und welcher zugleich Hermanns Lehnsmann war, vonseinem Kriegsgefolge auf einem Kirchhofe im Jahre 1130 um deswillenermorden, weil Burchard wider Hermanns Willen eine Burg erbauethatte. Burchard war von dem Kaiser Lothar sehr geschätzt und dessen'Rath, weßhalb schnelle Strafe dcr That folgte. Hermann wurde seinerWürden entsetzt, die Winzenburg belagert, und die Umgegend mit Feuerverheert, so daß Hermann gezwungen wurde, sich und die Burg demKaiser, als dieser zu Gandersheim sein Hoflager hielt, zu überliefern(30. Januar 1130). Er selbst wurde gefangen gehalten, die Burgvon Grund aus zerstört. Hermann war ohne Zweifel für acht- undrechtlos erklärt, und so fiel die ihm zu Lehn gegebene Winzenburg,oder vielmehr die Stelle, wo sie gestanden hatte, mit dem Zubehöran den Lehnsherrn, den Bischof Bernhard, zurück. Dieser erlangte vondem Kaiser die Erlanbniß, die Burg wicdcrherzustellen, und machtedavon sofort Gebrauch, um seiner Kirche ein neues Bollwerk zu ver-schaffen, ja, er sah den Erwerb für so wichtig und zugleich für sobedenklich an, daß er sich am 25. November 1135 von dem PabsteJnnocenz H. und im Jahre 1149 am 27. Junius von dem PabsteEugen III. die Wiederveräußerung der Winzenburg verbieten ließ.Namentlich solle sie nicht zu Lehn gegeben werden, und wer sie gewalt-sam in Besitz nehme, solle gebannt sein. Eugen richtet sein Schreibennicht nur an den Bischof, sondern auch an die Geistlichkeit und dasVolk der Hildesheimischen Kirche und nennt diese Kirche und die StadtHildesheim eine berühmte und edle des Deutschen Reiches. Mankönnte übrigens auch vermuthen, daß Bernhard geneigt gewesen sei,die Burg wiederum zu Lehn zu geben, seine Geistlichkeit aber ihndavon habe zurückhallen wollen und jene päbstlichen Verbote erwirkthabe. Der Erfolg hat wenigstens ergeben, daß Grund zu einer solchenBefürchtung vorhanden war, wie denn für einen geistlichen Fürstendamals auch kaum ein anderer Weg gefunden war, eine entfernte Burgzu besitzen und zu benutzen. Mit dem Tode des Kaisers Lothar(3. October 1137) erhob sich Graf Hermann zu neuem Glanze. Am9. April 1143 übertrug er und sein Bruder Heinrich, die erlauchtenMänner, die freigeborenen Fürsten, wie sie genannt werden, ihrenHerrnhof Derneburg der Hildesheimischen Kirche zur Errichtung einesKlosters; im Jahre 1144 wurde Hermann erblicher Schirmvogt derAbtei Corvei, kaufte den Nachlaß des letzten Vogtes, Siegfrieds vonBomeneburg, dessen Witwe sein Bruder Heinrich ehelichte, und erhieltvon dem Bischöfe Bernhard auch Siegfrieds Lehne; im Jahre 1148