408 Quellen und Bearbeitungen der Hildesheimischen Geschichte.
emsiger Hand auch vier Bände Urkunden zur Hildeshcimischen Geschichtezusammen, wobei zu bedauern ist, daß er das städtische Archiv ausVorsicht nur sparsam benutzte.
Harenbergs Glaubwürdigkeit.
Falke sowohl, wie Harenberg, sind schweren Beschuldigungen rücksichtlich ihrerWahrhaftigkeit als Geschichtschreiber ausgesetzt gewesen, und nicht unverdienter Weise,obwohl es auffallend ist, daß Männer, die im Besitze eines werthvollen geschichtlichenMaterials waren, durch dessen Mitthcilung und Bearbeitung sie sich eine» begrün-deten Ruf und großes Verdienst erwerben konnten, damit nicht zufrieden, den Werthihrer Arbeiten durch Fälschungen haben erhöhen wollen. Harenberg hat ohneZweifel die von ihm herausgcgebenen, nicht unwichtigen Corvcischen Annalen durchEinschiebsel gefälscht.') Ein gleiches Vergehen soll ihm auch bei Abfassung derGaudershcinüschcn Geschichte zur Last fallen. Es ist schon eine alte Nachricht, daßim Archive zu Wolfenbüttcl, Andere sagen, auf der Dombibliothek zu Hildesheim,ein Eremplar des Geschichlswerkes, worin die Fälschungen Blatt für Blatt ange-merkt seien, sowie auch eine eigenhändige Erklärung Harenbergs sich vorsinden, woriner sich zu jenen Fälschungen bekannt habe. 2) Es verhält sich damit also: Das StiftGandersheim war mit manchen Angaben in Harenbergs Werke nicht zufrieden undbefürchtete Nachtheile davon, besonders insofern, als angenommen werden mochte,wie Harenberg Solches auch selbst bemerkt hatte, daß ihm ans dem Stiftsarchiveoder doch von Mitgliedern des Capitels Nachrichten mitgcthcilt seien. Um diesenNachtheilcn zuvorzukommcn, um die Beweiskraft, welche das Werk nach jenenAnnahmen gegen das Stift haben konnte, zu entfernen, wurde Harenberg gedrungen,nachstehende Erklärung anszustellen:
Demnach in die vor kurzem »o 1734 eelirts bistorinna äiplornaticniii ecclesinsEanclersbeiineiisis verschiedene, dem kaiserlichen und des H. N. 9t. freye» weltlichenStifte Gandersheim, und dessen thcils in prima lunelntiono, theiis successw tem-xorum beygelcgten, mlguirirten und wohlhergcbrachtcn privilcxüs, Freyhciten,Gerechtsamen, höchst anstößige, und denen von des hochgedachten Stifts jnribns besseriniorinirtcn, xraejuelioirlich scheinende passa^es eingeflossen: Sie mich auch ex postkncto, in einem und andern gar gründlich überführet, indcß doch aber ein jeder,dem dieses Buch zu Händen kommen mögte, gar leicht auf die Gedanken gerathenkönnte, als ob ich selbst in denen, bey dem Stifte vorhandenen, und von dessenmembris entweder in corpore oder in pnrtieulari mir eoininnnicirten cloenineutis,dergleichen Nachrichten gefunden, und durchgehends ans denselben nachgeschricbcnhätte; So äoolnrire und bekenne hiermit zu Steuer der Wahrheit und zu äesabusi-rung, sowol des xnbllei, als eines jeden insbesondere, daß obgleich bey einem undandern von den Herren cupitularilms öfters, um Ooininunieution derer des Stiftsconccrnirenden Sachen ungehalten, mir darin dennoch niemalen gewillfahrct sey.
>) Llonuin. ineä. knsc. I. Wigand, Arch. V. Llonnm. 6arm. bist. III. I.
2) Bcrnouilli, Sammlung von Rcisebeschr. VI. 3l. Allgem. litt. Anz. 1800.S. 607, 935. Ebert in der Dresdener Morgenzcit. Litteratnr-Blatt Nr.25. S. 200.