XII. Gruppe.
Goethe und die rheinischen Tondichterund Dichter.
S erdinand Hillers Studie über „Goethes musikalischesLeben“, so sehr sie auch dem vielumstrittenen Themagerecht zu werden sucht, dürfte dennoch nicht völlig befriedigenund die Frage immer noch fortbestehen lassen: wie ist es zuerklären, dass Goethe der Sprachgewaltige, neben unserem,,durchaus musikalischen Lutherdas grösste schöpferische Sprach-genie der Deutschen, er, der eine vorher ungeahnte „Musikder Sprache“ geschaffen, so wenig Zusammenhang mit unserenmusikalischen Klassikern suchte und fand, so wenig Wirkungs-kraft für die Entwicklung unserer Tonkunst als solcher gewann?
Aber, wie es thöricht, sinnlos wäre, mit Goethe darüberrechten zu wollen, dass er im Vorhofe des Christenthums stehenblieb, die „Schönheit und Klarheit in den Evangelien“ nurahndevoll preisend, nicht aber nach ihr verlangend und in Wortund Werk für sie zu wirken bereit — so wäre es nicht minderthöricht, wenn der Tonmusiker sich richtend erheben wollteüber den Sprachmusiker.
Und siehe — Beethoven, der Rheinlande grössester Sohn —blickt in lauterster und dankbarster Verehrung zu Goethen aufund trägt, da er in wunderbarem hehren Zusammenklang mit
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