X. Gruppe.
Goethe und der rheinische Carneval.
jpljjljoetlies Begabung und Neigung sowohl zur Dichtung, alsauch zur Erdichtung, zur Schaffung von „Fabeln“, inwelchen Wirkliches und Erdichtetes phantastisch oder humorvollgemischt ist, wird gekennzeichnet durch sein eigenes Wort, vonder „Lust zum Fabuliren“, die im Verein mit der „Frohnatur“den Dichter oft genug zu Augenblicks-Maskeraden und scherz-haften Mystificationen hinreisst. Man denke nur an seine Ankunftin Sesenheim als dürftig gekleideter Candidat, an seine Ver-mummung Tags darauf als Wirthssohn Georg, wie er das in„Dichtung und Wahrheit“ so lebendig schildert, an die Mysti-ficirung Jung-Stillings bei dem Wiedersehen in Elberfeld undan seinen Besuch Plessings als Maler Weber in Wernigerode.
In unverkennbarem Zusammenhänge damit steht auch desreiferen Mannes fortdauernde Begabung und Neigung zu jenenMaskenzügen, welche sich hochwillkommen in das frohe, nichtin steifes Ceremoniel eingeengte Leben am Weimarer Hofe ein-fügten ; Heinrich Düntzer hat sie in ihrem Zusammenhängetrefflich dargestellt und erläutert. Nicht minder zeigt unsGoethes meisterhafte Schilderung des römischen Carnevals,wie er ein „tolles Treiben, wenn es kurz ist und mitSinn“, durchaus nicht verachtete.