I. Gruppe.
Was Goethen in Wetzlar begegnete.
„Was mir in Wetzlar begegnete“ — sagt Goethe selbstim zwölften Buche von „Dichtung und Wahrheit“ — „ist vonkeiner grossen Bedeutung.“
Für uns aber, die wir die genaueste Erforschung seinesLebens einmal als Selbstzweck, rveil es ein Leben imhöchsten Sinne des Wortes ist, zum anderen als Mittelzum Zweck, zur Förderung des Verständnisses der goethischenSchöpfungen, hoch und heilig halten, hat jede, noch so kleine,scheinbar unbedeutendste Episode dieses denkbar reichstenDichterlebens ilii’e grosse Bedeutung.
Und nun erst der Aufenthalt in Wetzlar — mit dem„dritten akademischen Leben“, wie der Dichter sagt,da er die Tafelrunde im Gasthof zum Kronprinzen, die„Rittertafel“ und den „seltsamen Orden“ zu schildern anhebt —mit der Thätigkeit am Reichskammergericht, dem damals„richtenden und gerichteten Gericht“ — mit „alle demNeigen“ zu der ächtdeutschen, sitt- und tugendreichen Jung-frau Lotte Buff im alten Amtmannshause, das „ach, so eigenSchmerzen ihm brachte“ — und endlich mit dem befriedendenAusklang in dem, nach fluchtartigem Abschied von Wetzlarund erquickender Wanderung durch’s Lalintlial, „entzückt be-griissten, höchst lieblich gelegenen, wohlangebauten Oertchen