„Der vorzügliche Zeichner und Kupferstecher Lips“— schreibt Dr. Hermann Rollett in seinem biographischkunstgeschichtlichen Werke »Die Goethe-Bildnisse« zudem umstehenden Stich — „hat dies prachtvolle Bild-niss Goethes während seines Aufenthaltes in Weimar,wo derselbe auf des Dichters Verwendung von 1789bis 1794 die Stelle eines Professors an der Zeichnungs-Akademie bekleidete, im Jahre 1791 nach dem Lebenin grossartiger Auffassung gezeichnet und auch in
meisterhafter Weise gestochen . Es lässt dieses
vortreffliche, in edelster Weise stylisirte BildnissGoethes, bei bewahrter Aehnlichkeit im ganzen, infreier Unabsichtlichkeit und in herrlicher Erhabenheit,bereits deutlich den »Jupiter-Typus« des Dichtersahnen. Es ist der ernst - gewaltige Faust-Goethe inder Uebergangszeit, sozusagen aus dem Apollo- inden Zeiis-Typus. In Zeichnung und Stich überhaupteines der schönsten aller vorhandenen Bildnissblätter,ist dieses Folioblatt wohl das würdigste und künstlerischwerthvollste Bildniss, welches aus Goethes mittleremMannesalter und überhaupt von Goethe vorhanden ist.Lavater schrieb zu seinem, jetzt in der kaiserlichenFamilien-Bibliothek zu Wien befindlichen Exemplar:
Zwar nicht Goethes Aug’, sein Aug’ ist geistiger,
■ kühner,
Dennoch lässt dies Aug’ durchdringende Kräfte
vermuthen;
Zwar nicht ganz die Stirn, nicht ganz die Augbrau’n
des Urbilds,
Aber, welche Stirn voll hellen, reifen Verstand’s doch!
Viel Sanguinität in der Nas’ und dem Kinn und dem
Ganzen,
Aber, welch ein Mund voll genialischen Reichthums!“