Druckschrift 
3 (1783)
Seite
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Hohes Lied.

zur leisen Stimme der ehelichen Treue am En-de, herrscht immer dieselbe zarte, sanfte, worbe,süße Art, die Liebe zu empfinden und zu genießen.Und wo sind zwei Selen unter Liebenden, diesich an Empfindung und Genuß derselben soununterscheidbar gleich waren, und sie so gleichin ihre Laute sangen? Die Lieder sind sichtbarzu verschiedenen Zeiten und bei verschiedenenNeranlaßungen entstanden: und doch ist dieAufmerksamkeit der Liebenden von Anfang biszu Ende aus dieselben Punkte geheftet; die Ein-bildungskraft verweilt sich überall bei denselbenGegenständen, und saugt überall Honig aus.denselben Blumen. Rehe lind Gazellen spie-len >nn die Liebenden; sie hören Tauben girren,sehen Heerden über Berge wallen; sie weilenin Garten, steigen auf Hügel, glimmen aufBerge, uin die Würzen der Liebe einzuziehen.Und so voin Anfang bis zu Ende. Der Bit-derkreis ist also überall verwandt, und eng undstark zusammengezogen: und ist Aehnlichkeitder Phantasie irgend -zu erkennen, so ists inallen diesen Liedern; und hat iedes Herz seineeigene Weise zu empfinden, so müssen dieseLieder Ausfluß eines und desselben Herzens seyn.Vielleicht kehren auch deshalb einerlei Anfangsund Schlußzeilen öfters wieder. So oft eineScene der Liebe genossen ist, wird ein Schlum-merlied gesungen (Hohesl. II. 7. HI. 5. VIII.4); und wenn dem Dichter das Bild der Göt-Uu 5 ti»