676 -Hohes Lied. ^
Hiob zum hohen Liede. Dort stürmen Orkane,hier wehen lauter Weste; dort brausen wildeWogen, hier fließen silberhelle Bache; dortbrüllen wilde Ungeheuer, hier blöken Lämmer-heerden; dort schäumen Becher mit Mermuth,hier rinnen Becher der Liebe; dort wohnenSchreken und Schmerzen, hier Freuden derLiebe und Seligkeit. Ward das hohe Lied ab-sichtlich neben Hiob gestellt, so geschah eS sicherbloö des ContrasteS wegen, um ihren vielseitigenAbstand recht stark und auffallend zu machen.
Denn auch von der Seite des Alters stichtHiob stark mit dem hohen Liede ab; iener istdas älteste Werk der Dichtung, das die Zeiterhalten hat, und dieses einer der spatern Nach-laße der hebräischen Poesie. Zwar der In-schrist nach sollte man es in die schönsten Zeitendes hebräischen Staks sehen, als die Hebräerdie Früchte der blutigen Siege Davids unterSalomo genoßen; und (den Titel genau ge-nommen) sollte man es wohl gar für ein Myr-thensträußchen aus den Gärten der Liebe Salo-mo's ansehen: denn wer könnte dem erstenEindruk nach bei »einem Ausbund der Lieder«Salomo's« an etwas anderes denken? a)
Auch
2) An der Aechtheit der Inschrift kan ohnedem nie-mand zweifeln: denn sie ist, wie daS ganze Buch,ncuhebraisch, und mit seinem Sprachgebrauchganz übereinstimmend. Kein alter Hebräer wür-
de